Flott, flexibel und mit Tempo – Der Kader des SCP 2016/2017 unter der Lupe

Angriff:

Wo wir auch schon beim Angriff wären: Marcel Reichwein (Wolfsburg II) und Abdenour Amachaibou (Ziel unbekannt) verließen den SCP nach zwei mehr oder weniger erfolglosen Jahren. Während Reichwein nie die Bälle erhielt, die er als Strafraumspieler mit starkem Abschluss benötigt, war die Verpflichtung vom Amachaibou von vorne bis hinten ein Missverständnis. Mit der Empfehlung von 20 Scorerpunkten für Absteiger Regensburg (die nun wieder aufgestiegen sind), kam er im Sommer 2014 an die Hammer Straße. Ein müdes Tor zum Saisonauftakt der vergangenen Spielzeit gelang ihm für die Preußen. Wenn man bedenkt, dass Abdi die Preußen Zweitligaangeboten vorzog und auch Reichwein aus der zweiten Liga kam, dürfte hier ein nicht unwesentlicher Gehaltsposten eingespart werden. Neben Reichwein und Amachaibou erhielt auch Edeljoker Rocky Krohne keinen neuen Kontrakt bei den Adlerträgern. Der stets gut gelaunte Niederländer und Publikumsliebling verlässt die Adlerträger ebenfalls mit unbekanntem Ziel.

Neu an vorderster Front sind neben dem im Winter verpflichteten Adriano Grimaldi (kam aus Heidenheim) Tobias Rühle (SG Sonnenhof Großaspach) und Tobias Warschewski (eigene U19). Mit Rühle erhält der SCP seinen Wunschspieler im Angriff, zumindest wenn man die Aussagen der Verantwortlichen liest und den Zeitpunkt des Wechsels betrachtet. Früh wurde der 1,76 m große Angreifer unter Vertrag genommen und die Preußen können sich, sofern dieser Vergleich gestattet ist, auf ein spielerisches Upgrade vom ehemaligen Publikumsliebling Michael Erzen freuen. Wie auch Erzen gilt Rühle als nimmermüder Arbeiter an vorderster Front, der versucht, für seinen Sturmpartner Lücken zu reiße und die gegnerische Abwehr ständig unter Druck zu setzen. Die Empfehlung von sechs Saisontoren mag für einen Stürmer nun nicht überragend sein, schaut man aber auf die satten zehn Assists aus der vergangenen Saison, sollte klar sein, dass der SCP hier keinen Knipser, sondern einen spiel- und übersichtsstarken Angreifer verpflichtet hat. Als Ergänzung zum hochaufgeschossenen und robusten Grimaldi, könnte die Kombination hervorragend passen. Während Grimaldi aufgrund seiner Physis auch mal einen Ball halten kann und hohe Anspiele verwaltet bzw. abschirmt, bis die Mitspieler nachgerückt sind, schafft Rühle Lücken im gegnerischen Defensivverbund.

In diese Lücken reinstoßen könnte nun Jesse Weißenfels, dessen Stärke insbesondere die Schnelligkeit ist. Mit Grimaldi (groß, robust, kopfballstark), Rühle (klein, wuselig, laufstark) und Weißenfels (schnell, abschluss- und schussstark) hat Horst Steffen an vorderster Front drei verschiedene Spielertypen, die jeweils an den Gegner angepasst, zusammen in einem Zweiersturm agieren können. Dahinter wird das erste Jahr für YOUNGSTAR Tobias Warchewski höchstwahrscheinlich ein Lehrjahr. Der hochveranlagte Angreifer unterschrieb trotz Angeboten aus Schalke und anderer höherklassiger Vereine für zwei weitere Jahre beim SC Preußen. In der abgelaufenen A-Jugend Bundesligasaison machte der 1,87 m große Stürmer mit sieben Toren auf sich aufmerksam. Gegen den albanischen Meister KF Skënderbeu Korce konnte er im Wintertrainingslager bei einem Testspiel sogar seinen ersten Treffer für die erste Mannschaft verbuchen. Mit gerade mal 18 Jahren ist Warschewski das Küken in einem immer mehr verjüngten Preußenkader. Dass das Alter jedoch nichts mit möglichen Einsätzen zu tun, davon kann Lion Schweers ein Lied singen. Auch für ihn war die abgelaufene Saison dazu geplant, sich im Seniorenbereich einzufinden. Nun gilt Schweers aufgrund seiner starken Spiele in der Rückrunde als einer der Hoffnungsträger. Es bleibt zu hoffen, dass Warschewski nicht nur auf gleichem Weg wie Schweers zu den Adlerträgern kam (beide wechselten von Eintracht Dortmund zum SCP), sondern sich ebenso schnell einen Namen im Preußenstadion macht.

Die PreußenForum Wertung für die Abteilung Attacke:

Angriff

Begründung: Mit Tobias Rühle und Adriano Grimaldi hat man ein Angriffsduo, welches in der 3. Liga eine gehobene Qualität besitzt. Dahinter muss man jedoch abwarten, wie ein Weißenfels ein Jahr ohne Spielpraxis verkraftet hat und wie Tobias Warschewski sich im Seniorenbereich zurecht findet. Zur vollen Wertung fehlen hier nur Nuancen.

Trainer und Sportvorstand

Auf dem Papier haben Horst Steffen und Carsten Gockel eine hervorragende Arbeit geleistet. Nach langer Zeit ist ein Konzept erkennbar. Die neuen Spieler sind in der Regel jung und hungrig, weisen in ihren Einsatzmöglichkeiten eine hohe Flexibilität auf. Der Kader wurde verjüngt und erhielt eine Schlankheitskur (bei den möglichen Abgängen von Schulze Niehues und Özkara: 13 Abgänge bei bisher zehn Neuzugängen), dennoch dürfte die Qualität nun höher und ausgeglichener sein.

Die PreußenForum Wertung für die Verantwortlichen dieses Kaders:

TrainerSportvorstand

Begründung: Wer trotz eines Sparkurses eine solche Truppe zusammenstellt, der hat vieles richtig gemacht. Lediglich die dünne Spielerdecke in der Abwehr könnte den Adlerträgern zum Verhängnis werden. Nichtdestotrotz haben Gockel und Steffen ihre Hausaufgaben klasse erledigt.

Fazit:

Richtig schmerzen tut die Adlerträger wohl möglich nur der Abgang von Niklas Lomb, der nun lediglich die Nummer drei in Leverkusen sein wird. Mit ihm hatten die Adlerträger einen kompletten Torhüter für die 3. Liga. Es bleibt abzuwarten, wie Drewes die Fußstapfen seines Nachfolgers ausfüllt. Mit Tobias Rühle, Michele Rizzi, Sandrino Braun, Edisson Jordanov oder Sinan Tekerci hat man Spieler verpflichtet, die die Liga bereits seit mehreren Jahren kennen und dort ihre Leistung gebracht haben. Mit Sebastian Mai und Jeron Al-Hazaimeh schnappte sich der SCP zwei Schlüsselspieler und Leistungsträger bei den Drittligaaufsteigern aus Zwickau und Lotte. Beiden wurde bei ihren vergangenen Vereinen die Qualität, sich in der 3. Liga zu behaupten, nie in Frage gestellt. Mit der Verlängerung von Tobias Warschewski geht der SCP den Jugendweg, den er nun seit einigen Jahren verfolgt, konsequent weiter. Nach Simon Scherder vor einigen Jahren rückten vor der Saison 2015/2016 Lennart Stoll und Lion Schweers in den Profikader der Adlerträger. Mit Tobias Warschewski folgt nun der nächste Spieler mit „Stallgeruch“. Eine Wundertüte dürfte für viele Fans Denis Mangafic sein. Lediglich 69 Spielminuten absolvierte der Rechtsverteidiger für den FSV Frankfurt in der zweiten Liga. Auch insgesamt kann er lediglich auf eine herausragende Saison im Seniorenbereich zurückschauen. Mit den Kickers Offenbach scheiterte er vorletzte Saison erst in der Relegation zum Aufstieg am 1. FC Magdeburg, mit starken sieben Vorlagen als Rechtsverteider hatte er einen nicht unerheblichen Anteil daran. Sollte er an diese Zeit anknüpfen, können sich die Adlerträger auf einen bissigen Rechtsverteidiger mit gehörigem Offensivdrang freuen.

Insgesamt kann man sich als Preußenfan mit Sicherheit auf die neue Saison freuen. Höchstwahrscheinlich wird diese Mannschaft erneut nicht aufsteigen. Das muss sie auch gar nicht. Doch wurden scheinbar Spieler verpflichtet, die mit Leidenschaft und Wille das Trikot mit dem Adler auf der Brust schlagen. Wenn dies noch mit einem hervorragenden Teamspirit kombiniert wird, stehen nach oben hin natürlich alle Tore offen. Doch Mannschaften wie der MSV Duisburg (planen trotz Abstieg mit einem für die 3. Liga hohen Etat laut der WAZ), Holstein Kiel (starke Verpflichtungen, dazu letzte Saison trotz starkem Kader enorm enttäuscht) oder der Chemnitzer FC (nach der Verpflichtung von Trainer Sven Köhler ging es dort steil bergauf) werden zu den Spitzenkandidaten der 3. Liga gehören und als Favoriten in die neunte 3. Liga Saison starten. Doch was Kampf und eine Einheit auf dem Platz aufmacht, bewiesen insbesondere die Würzburger Kickers und auch der SV Darmstadt 98 in den letzten Jahren. Das Ergebnis dürfte bekannt sein. Mit Sicherheit wird es erneut eine sehr knappe Saison in der 3. Liga. Welches Ende sie für die Preußen nimmt ist zu diesem Zeitpunkt nicht abzusehen. Doch die Rahmenbedingungen wurden geschaffen. Im folgenden Teil dieses Artikels wird nun aufgezeit, welche taktischen Möglichkeiten der Kader Horst Steffen bietet. Insbesondere die hohe Flexibilität der einzelnen Spieler ist dabei auffällig.

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