Pokalsensation – Teil Zwei?

2021/2022 - Vorschau - SC Preußen Münster - Hertha BSC - DFB-Pokal 2. Hauptrunde

Über dieses Spiel wird man wohl noch einige Jahre rund um die Hammer Straße reden. Was sage ich? Wahrscheinlich sogar in ganz Deutschland. Fest steht auf jeden Fall, dass dieses Ereignis in allen Fußball-Jahresrückblicken ein Thema sein wird. Vollkommen zurecht! Denn diesen Spielverlauf hätte man auch als Blockbuster zur Primetime bringen können.

And the Oscar goes to…

Adler gegen Wolf. Die Vorzeichen waren eindeutig. Der klare Außenseiter stemmt sich mit aller Macht gegen einen fast unbesiegbar erscheinenden Gegner, fährt die Krallen aus, kämpft und wird von der Arena getragen. Dann landet er den ersten Treffer und die Menge tobt. Der Sieg ist zum greifen Nahe. Doch dann passt unser Adler kurz vor Ende des Duells einmal für einen kurzen Moment nicht auf und wird eiskalt bestraft. Der Treffer hat gesessen.

Unser Held schwankt und versucht mit aller Macht und mit allen verbleibenden Kräften gegen die Angriffswellen des Wolfes Stand zu halten. Die ersten werden noch pariert. Doch dann passiert es. Ein Kopfstoß lässt unseren Helden das erste Mal zu Boden gehen. Jetzt ist er unter Zugzwang. Doch ein schneller Gegenangriff des Wolfes lässt kurz vor dem Ende des Spielfilms alle Träume wie eine Blase zerplatzen.

Doch was wäre ein actiongeladener Blockbuster ohne ein Happy End? Zugegeben, ein Happy End sehen darin wohl nicht alle. Besonders jene Zuschauer aus der Autostadt in Wolfsburg dürften diesen Plot-Twist wohl nur mit negativen Gefühlen sehen. Denn obwohl unser Titelheld den Kampf verloren hat, entscheidet das Hohe Kampfgericht, dass ein Regelverstoß des Wolfes zu einem Ausschluss von diesem führt. Unser Adler hat damit gewonnen!

Jetzt könnten einige sagen: Sowas gibt es doch nur im Film. Aber alle, die bei der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals beim Spiel gegen den VFL Wolfsburg im Preußenstadion dabei waren, wurden Zeuge dieses ungewöhnlichen Endes. Sowas gibt es also nicht nur in Filmen, sondern manchmal auch im Sport.

Preußen wollen erfolgreich an einer Fortsetzung schreiben

Man kennt das ja: Wenn ein Film erfolgreich ist, kann man schon darauf warten, bis die Fortsetzung offiziell bestätigt wird. Bei den Preußen war es aber nochmal ein spannender Prozess, ehe vom DFB-Sportgericht die Fortsetzung offiziell bestätigt wurde. Die Freude war bei uns Fans natürlich groß.

Ein paar Tage später wurde auch bekanntgegeben, mit wem es der Adler im kommenden Teil zu tun bekommen wird. Eine etwas in die Jahre gekommene alte Dame aus der großen Hauptstadt wird es mit unserem Titelheld aufnehmen. Man sollte aber nicht den Fehler machen, sie zu unterschätzen. Denn sie wird von einem großen Geldgeber unterstützt, der dafür sorgen will, dass die alte Dame nochmal richtig groß herauskommt. Ihr Traum ist es, in den nächsten Jahren nochmal in die großen Hauptstädte Europas zu reisen und sich dort zu präsentieren. Ambitioniert klingt das also allemal.

Doch bevor sie ihre Träume in die Tat umsetzten möchte, verfolgt sie das Ziel, einmal in ihrem Wohnzimmer nach dem großen goldenen Pokal zu greifen. Doch dafür muss sie sich erstmal gegen unseren Adler durchsetzen. Alle Zuschauer können sich also ab 18:30 Uhr wieder auf mindestens 90 spannende Minuten freuen. Und wer weiß, vielleicht hat der Film auch wieder Überlänge.

„Wir wollen den Berlinern ordentlich auf die Nerven gehen“

Die Protagonisten sehen dem Spiel entspannt entgegen. Denn wie bereits im ersten Teil, nimmt der Adler die Rolle des Außenseiters ein. Man hat also nichts zu verlieren und kann befreit aufspielen. Es herrscht große Vorfreude vor diesem besonderen Spiel im DFB-Pokal. Die Mannschaft von Trainer Sascha Hildmann möchte das Selbstvertrauen, was sie beim 2:1-Auswärtserfolg beim Bonner SC getankt hat, mitnehmen und wieder alles reinwerfen, was sie haben.

Personell hat sich die Lage auch passend zum Highlight-Spiel etwas entspannt. Luke Hemmerich und Manuel Farrona Pulido haben ihre Einsätze vom vergangenen Freitag ohne weitere Beschwerden bestanden. Sie könnten also gegen Hertha BSC wieder in die Startelf rücken. Ein Startelfeinsatz von Simon Scherder wird es hingegen wohl nicht geben. Allerdings dürfte er es zumindest in den Kader schaffen.

Sascha Hildmann sagte auf der Pressekonferenz vor der Partie, dass man sich vor dem Bundesligist nicht in der eigenen Hälfte verstecken wolle. Der Gegner soll mit frühem Pressing und vielen Zweikämpfen nervös gemacht werden, damit die Spieler der alten Dame ihre Spielfreude verlieren. Einen wichtigen Anteil werden auch die gut 10.400 Preußen-Fans an der Hammer Straße Spielen. Hildmann betont: „Wir müssen von unseren Fans getragen werden und wollen dann über uns hinauswachsen“. Die Preußen auf der großen Bühne, mit einem vollen Stadion unter Flutlicht. Die passenden Rahmenbedingungen sind auf jeden Fall geschaffen.

Denn alle im Verein wissen, dass eine weitere Sensation nur möglich ist, wenn alles zusammenpasst. Wenn die Spieler über ihre Grenzen gehen, der Funke von den Fans auf den Rängen auf die Mannschaft überspringt und man die alte Dame auf dem falschen Fuß erwischt, könnte nach der „Pokalsensation – Teil Eins“ auch vielleicht „Pokalsensation – Teil Zwei“ folgen.

Hertha kommt mit Rückenwind

Bei einem Duell Bundesliga gegen Regionalliga braucht man eigentlich nicht auf den Gegner eingehen. Die spielerische Klasse sollte allen bekannt sein. Zudem kommt die Hertha mit ordentlich Rückenwind aus den letzten zwei Bundesligaspieltagen. Erst konnte in Frankfurt 2:1 gewonnen werden, ehe am vergangenen Samstag Borussia Mönchengladbach mit 1:0 in die Knie gezwungen wurde. Der Fehlstart in die Saison konnte so etwas abgefedert werden. Die Mannschaft wirkte in den beiden Spielen stabiler und aggressiver als in den vergangenen Wochen. Aktuell belegen die Berliner den 10. Tabellenplatz und sind somit wieder im Mittelmaß der Bundesliga angekommen.

Herthas Cheftrainer Pal Dardai warnte auf der Pressekonferenz: „Preußen hat das Niveau für die dritte Liga. Wir bereiten uns genauso vor, wie auf Bundesliga-Spiele. Es wird ein Pokalfight.“ Dennoch wird wohl etwas rotiert werden, da am Freitag bereits wieder die Partie gegen TSG Hoffenheim ansteht. Nicht in Münster auflaufen werden auf alle Fälle Niklas Stark, Lukas Klünter, Jordan Torunarigha und Trainer-Filius Marton Dardai. Eine Startelfgarantie erhielten hingegen Linus Gechter und Davie Selke.

Erinnerungen an das Jahr 2009

Preußen empfängt die Hertha aus Berlin. Das gab es schon mal. Für Jene, denen das Spiel nicht mehr im Gedächtnis ist, versuche ich hier die Erinnerungslücken etwas zu schließen. Es war der 1. August 2009. Im Preußenstadion hatten sich 18.200 Zuschauer eingefunden, um den Adlerträgern die Daumen zu drücken. Auf dem Platz standen bei der Hertha übrigens zwei Spieler, die auch morgen wichtige Posten einnehmen werden. Sowohl Cheftrainer Pal Dardai als auch Berlin-Sportdirektor Arne Friedrich waren mit von der Partie.

Trotz der gewaltigen Erfahrung endeten die regulären 90 Minuten nach Toren von Marc Lorenz, auf Seite der Preußen und Raffael mit einem 1:1 Unentschieden. In der Verlängerung sorgten dann allerdings erneut Raffael und Waleri Domowtschijski für die 1:3- Niederlage des Adlers.

3:1 nach Verlängerung? Da war doch was. Nach der 3:1-Niederlage gegen den VFL Wolfsburg kam es doch noch zum Happy End. Nennt mich einen Träumer. Aber was wäre, wenn jetzt im nächsten Aufeinandertreffen auch ein gutes Ende für unsere Farben wartet? Im Film passiert sowas schließlich oft. Und spätestens seit dem Wolfsburg-Spiel wissen wir, dass manchmal der Fußball auch wie ein Film sein kann. In diesem Sinne:

Alle zusammen für Preußen Münster!


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