Ein Spiel dauert 96 Minuten

2022/2023 - Spielbericht - SG Wattenscheid 09 - SC Preußen Münster - 4:5

Selten habe ich mich so geärgert ein Spiel der Preußen zu verpassen wie das Spiel gestern an der Lorheide. Wattenscheid hatte es geschafft, in Unterzahl ein 1:4 aufzuholen. Doch bekanntlich dauert ein Spiel ja 96 Minuten und just mit dem Abpfiff erlöste uns Simon Scherder und verwandelte in allerletzter Sekunde zum 4:5 Endstand. Ein emotionaler Rausch, der vermutlich nur durch wenig anderes getoppt werden kann. Umso schlimmer, nicht live dabei gewesen zu sein…

Klare erste Halbzeit

Wie viele Fans die Preußen aktuell anziehen, konnte man bereits vor Anpfiff sehen. Da sich ca. 1.300 SCP-Anhänger auf den Weg ins Ruhrgebiet gemacht hatten und nicht alle pünktlich zum Anpfiff ins Stadion gekommen wären, wurde das Spiel 15 Minuten später angepfiffen. Am Ende waren es wohl 1.600 Preußen im Lohrheidestadion.

Die erste große Chance des Spiels hatten die Gastgeber. Sané scheiterte jedoch frei vor Schulze-Niehues. Direkt im Gegenzug zeigten dann die Preußen, wie es richtig geht. Einen mustergültigen Pass von Grote konnte Wooten sehenswert annehmen und verwandelte zur 1:0 Führung für die Preußen.

Eine Minute später scheiterte Wooten dann am Aluminium, nachdem die gesamte Wattenscheider Abwehr plus Torwart schon geschlagen waren. Doch im Anschluss blieben die Preußen im Ballbesitz, wo das Leder bei Wegkamp landete und dieser mit einem Schuss aus der Distanz zum 2:0 erhöhte.

Dennoch dauerte es gut 30 Minuten, bis wieder etwas Zählbares für die Preußen heraussprang. Wattenscheids Lerch traf im Strafraum, statt des Balles, Hahn. Die Konsequenz daraus folgte auf dem Fuße: Elfmeter! Lorenz verwandelte sicher zur komfortablen 3:0 Führung.

Doch dies war nicht der letzte Elfmeter des Spiels. Nur drei Minuten später zeigte der Schiedsrichter wieder auf den Punkt, nur diesmal im Münsteraner Strafraum. Auch dieser Elfmeter wurde sicher verwandelt. Wattenscheid verkürzte also auf 3:1. Doch das konnten die haushoch überlegenen Preußen nicht auf sich sitzen lassen, Wegkamp stellte eine Minute später den alten Abstand wieder her.

So ging es mit einer äußerst verdienten 4:1 Führung in die Halbzeit. Nichts deutete auch nur im Ansatz darauf hin, was in der zweiten Halbzeit passieren sollte.

Irre Aufholjagd

Kurz nach Anpfiff zu zweiten Halbzeit zeigte der Schiedsrichter wieder auf den Elfmeterpunkt. Leider wieder auf den Punkt im Münsteraner Strafraum. Knabe nahm sich ein Herz und verwandelte den fälligen Strafstoß zum 4:2. Danach war die Mannschaft der Preußen jedoch wie ausgewechselt. Während Wattenscheid mit Löwenmut immer mehr das Spiel machte, schafften es die Preußen nicht ihre Dominanz aus der ersten Halbzeit weiter zu zeigen. Es war, als hätten die Wattenscheider einen gallischen Zaubertrank in der Kabine versteckt gehabt. Oder zumindest fruchtete die Traineransprache.

Selbst als Wattenscheids Lerche mit Gelb-Rot vom Platz geflogen ist, wobei wohl noch ein paar unflätige Gesten Richtung Gästeblock fielen, ließen die Pottis nicht locker. Man merkte kaum, dass da der Tabellenführer gegen 10 Abstiegskandidaten spielen würde. Die Moral der Wattenscheider ist wirklich mehr als imponierend.

Ab der 70. Minute zeigten die Preußen dann endlich wieder eine Art Lebenszeichen. Doch sowohl Wegkamp, als auch Langlitz, Wooten und dann wieder Wegkamp scheiterten daran, den Sack endgültig zuzumachen. Im Gegenzug kombinierten sich die Wattenscheider sehenswert zum Preußentor, ließen Max keine Chance und brachten das gesamte Spiel ins wacken, 4:3.

Die Preußen schafften es nicht, den Ball ins Tor zu bugsieren. Entweder kam man gar nicht erst in die Gefahrenzone oder man vergab die Chancen. Das Spiel stand auf Messers Schneide und sollte noch verrückter werden.

Bereits in der Nachspielzeit angekommen schockte Brdaric die Fans, als er Max umspielte und den Ball zum 4:4 Ausgleichstreffer im Tor unterbrachte. 4:4 gegen den Tabellenführer und das in Unterzahl, muss man auch erst schaffen. Und ehrlich gesagt, das Unentschieden wäre so verdient gewesen. Selbst als Preußenfan muss man einfach den Hut vor so einer Moral und diesem absoluten Willen ziehen.

Doch wie bereits in der Überschrift zu diesem Spielbericht angesprochen: Ein Spiel dauert 96 Minuten. Mit der allerletzten Chance des Spiels, 6 Minuten über der regulären Spielzeit machte unser Seeger Simon Scherder den Wahnsinn perfekt. Nach einem fälligen Eckball drosch Scherder den Ball tatsächlich noch zum 5:4 über die Linie. Die Wattenscheider waren endgültig geschlagen, was man auch in den Gesichtern der Spieler und den zusammen sackenden Körpern sehen konnte.

Und die Preußen? Bei den Preußen gab es kein Halten mehr. Fans kletterten über den Zaun aufs Spielfeld. Umarmten und bejubelten die Spieler. So ein Bild, wie Spieler, Verein und Fans zusammenstehen und gemeinsam feiern, wünscht man sich doch eigentlich überall und immer. Zeigt aber auch, wie schön selbst die Regionalliga sein kann. Im Profifußball sind solche Bilder mittlerweile leider undenkbar geworden. Wer braucht da eben auch eine WM in Katar?

Alle zusammen für Preußen Münster!


Daten zum Spiel

SCP: Schulze Niehues – Koulis, Kok (Scherder, 46.), Hahn (Atmaca, 64.) – Teklab (Langlitz, 55.), Remberg, Oubeyapwa (Bouchama, 55.), Grote, Lorenz – Wooten, Wegkamp
Wattenscheid: Neufeld – Sindermann, Brdaric, Schurig, Britscho – Tunga, Meier (Canbulut, 46.) – Sane (Yildiz, 46.), Lucas, Renke – Knabe

Tore: 1:0 Wooten (10.), Wegkamp (12.), 3:0 Lorenz (40.), 3:1 Meier (43.), 4:1 Wegkamp (44.), 4:2 Knabe (48.), 4:3 Yildiz (78.), 4:4 Brdaric (90.+2.), 5:4 Scherder (90.+6.)

Gelbe Karten: Kok, Koulis / Brdaric, Lerche
Gelb-Rote Karte: Lerche

Zuschauer: 2.709

Schiedsrichter: Lars Aarts


Zusammenfassung von sporttotal.tv

Nullsechs.de – Szenen nach dem Spiel

Stimmen zum Spiel von nullsechs.tv


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