Berlin, Berlin, wir fahren (trotzdem) nach Berlin

2025/2026 - Spielbericht - DFB-Pokal - SC Preußen Münster - Hertha BSC Berlin
Foto: Daniel Eiduzzis

In der ersten DFB-Pokalrunde ging die Partie zwischen den beiden Ligakonkurrenten SC Preußen Münster und Hertha BSC Berlin über die maximale Distanz. Nachdem es auch nach 120 Spielminuten 0:0 stand, konnten die Hauptstädter im Elfmeterschießen mit 5:3 das Ticket für die 2. Runde lösen. Die Münsteraner verpassten hingegen nach der Saison 2021/22 die Chance, erstmals wieder im Lostopf für Runde 2 dabei zu sein. Aber der Reihe nach.

Traumlos, Niete oder schlicht eine erwartbare Aufgabe?

Ob Jubelschreie bei den Verantwortlichen an der Hammer Straße zu vernehmen waren, als der Gegner für die 1. Pokalrunde ausgelost wurde, ist nicht übermittelt. In jedem Fall hatten die Preußen es mit einer bekannten Größe zu tun: dem Zweitligakonkurrenten Hertha BSC. Bereits vor vier Jahren gab es dieses Duell – damals in der 2. Pokalrunde. Eben jene war auch das erklärte Ziel in der noch jungen Saison 2025/26. Im vergangenen Jahr konnte man die „Alte Dame“ in zwei Ligaduellen in die Schranken weisen und so wertvolle sechs Punkte einfahren, weshalb die Siege gegen die Hauptstädter am Ende einen nicht unerheblichen Anteil am Klassenerhalt hatten. Auch wenn die Partie unnötigerweise auf einen Montagabend terminiert wurde, waren die äußeren Bedingungen mit strahlendem Sonnenschein und beinahe 25 Grad ideal. Es war also alles angerichtet für einen wunderbaren Pokalabend.

Alexander Ende nahm nach dem 1:1 gegen den SC Paderborn vier Wechsel vor: Heuer, Bolay, Schulz und Batista Meier rückten für Scherder, Makridis, Meyerhöfer sowie Lokotsch in die Startformation.

Preußen ist Herr im Ring

Von Beginn an zeigten die Preußen, wer hier der Gastgeber ist, und dass man verstanden hat, dass nur der Sieger in die nächste Pokalrunde einzieht. Die Münsteraner wussten über weite Teile der ersten Hälfte durch Tempo, Kurzpassspiel und Einsatz zu überzeugen. Bereits nach 11 Minuten hätte es 1:0 für den SCP stehen können, vielleicht sogar müssen, als Schulz eine traumhafte Kombination nach Vorarbeit von Batista Meier und einem Doppelpass mit Mees im Strafraum frei nicht im Kasten unterbringen konnte. Acht Minuten später war es Amenyido, der freistehend mit einem Schuss ins kurze Eck am Berliner Torhüter Ernst scheiterte. Amenyido war es auch, der nach gut einer halben Stunde auf Mees auflegte, der sich den Ball etwas zu weit vorlegte und sich so um eine noch bessere Abschlussposition brachte – und den Ball am Berliner Gehäuse vorbeizirkelte. Wenige Minuten später war es erneut Amenyido, der sich nach einem Querpass von Schulz im Strafraum um den Berliner Winkler drehte, den Abschluss aber rechts am Tor vorbeisetzte.

Die Elf von Stefan Leitl hätte sich nach dem ersten Durchgang nicht beschweren dürfen, wenn sie mit zwei oder mehr Gegentoren den Gang in die Kabine hätte antreten müssen. Die Überlegenheit der Preußen in der ersten Halbzeit wurde auch mit Blick auf die Statistiktafel mehr als deutlich: Aus 70 % Ballbesitz konnten die Münsteraner 11:3 Torschüsse und 6:0 Ecken entwickeln. Nur auf der Anzeigentafel stand nach 45 gespielten Minuten noch immer 0:0. So machte sich zur Halbzeit die Stimmung breit, dass man im Gegensatz zur Partie gegen den Sportclub aus Paderborn vor zehn Tagen heute klar Herr im Ring war – die bisher vertanen Chancen sich aber noch rächen könnten.

Ausgeglichenere zweite Hälfte – die Entscheidung bleibt aus

Auch im zweiten Durchgang präsentierten sich die Gastgeber griffig, engagiert und oftmals den berühmten Schritt schneller als die Herthaner, wenngleich in den zweiten 45 Minuten auch die Berliner zu Chancen kamen. Leider durfte Stadionsprecher „Kerni“ aber auch bis zur 90. Minute keinen Treffer der Preußen ankündigen, obwohl sich aussichtsreiche Gelegenheiten boten. Nachdem sich nun auch Hendrix in der 53. Minute nach einer Ecke mit einem glücklosen Versuch eingereiht hatte, lag der Torjubel nur fünf Minuten später in der Luft: Amenyido kam infolge eines Freistoßes an die Kugel und schob ein. Doch sofort ging zu Recht die Fahne des Assistenten hoch, da der Angreifer beim Zuspiel deutlich im Abseits stand. Somit blieb es beim 0:0.

Eine Viertelstunde vor Ende der regulären Spielzeit hätte man sich als Preußen-Fan fast den VAR gewünscht, den es jedoch in der 1. Pokalrunde nicht gibt. Was war geschehen? Der Berliner Kolbe wurde von Hendrix aus kurzer Distanz am Arm angeschossen, der leicht abgepreizt war. Schiedsrichter Petersen entschied sich jedoch gegen einen Elfmeter – eine durchaus strittige Entscheidung. Nachdem der an diesem Tag glücklose Amenyido durch Makridis ersetzt worden war, war es der Deutsch-Grieche, der in der 75. Minute in aussichtsreicher Position halblinks im Strafraum zum Abschluss kam, jedoch ebenfalls am glänzend aufgelegten Ernst scheiterte. Nachdem zu guter Letzt auch Bouchama (84.) und nochmals Hendrix (90.+2) vergeblich die Entscheidung suchten, konnten sich die Adlerträger fast schon glücklich schätzen, dass die Berliner nicht doch noch – beinahe unverdient – kurz vor Abpfiff durch Kownacki den Siegtreffer erzielten.

So ging es fast folgerichtig in die Verlängerung.

Am Ende geht es in die Lotterie

In der Verlängerung wurde deutlich, dass nun keine der beiden Mannschaften den spielentscheidenden Fehler begehen wollte und die zuvor 90 intensiv geführten Minuten langsam ihre Spuren hinterließen. Wie bereits im Duell in der Rückrunde der vergangenen Saison konnten die Preußen auch diesmal Fabian Reese „den Zahn ziehen“. Zweifelsohne ist der Stürmer der Unterschiedsspieler im Dress der Berliner, und für nicht wenige war sein Verbleib an der Spree – und damit ein weiteres Jahr im Bundesliga-Unterhaus – eine mittelschwere Überraschung. Schließlich wäre der Kapitän der „Alten Dame“ sicher auch bei den allermeisten Erstligisten unumstrittener Stammspieler. Doch auch an diesem Abend fand die Preußen-Defensive in aller Regel die richtigen Konzepte, um eben jenen Fabian Reese nicht zur Entfaltung kommen zu lassen – wobei in der Nachspielzeit (120.+1) der Verlängerung dann doch beinahe der späte Siegtreffer fiel: Die Charlottenburger konterten, Berner legte quer auf Reese, doch Schenk lenkte dessen Schuss über die Latte.

Wenn 120 Minuten keine Entscheidung bringen, muss es das Elfmeterschießen richten, auch wenn dieses unabhängig vom Spielverlauf ein Stück weit einer Lotterie ähnelt. Schlussendlich ist das Elfmeterschießen schnell erzählt: Die Berliner legten vor und konnten alle fünf ihrer Versuche im Netz unterbringen. Da Makridis das Pech der vergebenen Chancen aus der zweiten Halbzeit auch ins Elfmeterschießen mitnahm und seinen Versuch an den Querbalken setzte, konnten sich die Herthaner mit 5:3 durchsetzen.

Der Pokal mag bekanntlich seine eigenen Gesetze haben. Am Ende gilt jedoch insbesondere: Es fragt keiner mehr nach, wie du dich durchgesetzt hast – entscheidend ist allein, dass dein Logo weiterhin in der Lostrommel ist. Und so konnte sich Hertha BSC an diesem Abend glücklich schätzen, für die zweite Runde Ende Oktober planen zu dürfen. Münster kann sich zumindest sicher sein, eine mehr als anständige Leistung abgeliefert zu haben, wobei mit etwas mehr Fortune im Abschluss das Ergebnis ganz sicher ein anderes gewesen wäre.

Und die neue „West“?

Nachdem im Heimspiel gegen den SC Paderborn die neue Westtribüne eingeweiht wurde, konnte das neue Rund nun auch seine Premiere im Pokal feiern. Noch immer sind Nacharbeiten in puncto Stadionakustik, Gastronomie oder Infrastruktur im vollen Gange. Und auch der Blick auf die andere Stadionseite lässt reichlich Arbeit vermuten. Aber: es wird! Und erstmals war auch festzustellen, welche Wucht das neue LVM Preußenstadion entwickeln wird, wenn auch die Gastmannschaft mit voller Kapelle anreist. Die Herthaner aus Berlin ließen es sich trotz undankbarer Anstoßzeiten an einem Montagabend im knapp 500 km entfernten Münster nicht nehmen, sämtliche 2.000 Gästetickets auszuverkaufen. Somit entwickelte sich von Beginn an eine tolle Atmosphere, in der Münsters aktive Fanszene aus Block K und die Gästekurve im Block G ihren Teams ordentlich einheizten und somit für einen würdigen Rahmen an diesem Pokalabend sorgten.

Ausblick

Nachdem die Pokalsaison mit dem Aus in Runde eins leider ein jähes Ende gefunden hat, gilt es nun, den Fokus komplett auf die Zweitligasaison zu richten. Bereits am kommenden Freitag wird erneut das Flutlicht an der Hammer Straße angeknipst. Dann steht mit dem 1. FC Nürnberg ein Gegner auf dem Programm, der bisher einen maximal schlechten Start in die Saison verbuchen musste. Die Auftaktpartien gegen Elversberg und Darmstadt gingen beide mit 0:1 verloren, und im Pokal musste man sich dem unterklassigen Regionalligisten aus Illertissen geschlagen geben. Für ausreichend Spannung sollte also gesorgt sein.

Und mit einer annähernd konzentrierten und couragierten Leistung der Preußen wie am gestrigen Montag sollte der SCP erneut zu seinen Chancen kommen – nur sollte diesmal der Ball auch den Weg ins Tor finden. Und das, wie es so schön heißt, bitte einmal öfter für die Münsteraner als für die Franken.

Und um dem Pokal-Gassenhauer „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“ gerecht zu werden: Auch Preußen Münster fährt in dieser Saison nach Berlin. Vielleicht hat es nicht ganz fürs Pokalfinale gereicht, aber im Olympiastadion wird der SCP am ersten Oktoberwochenende erneut zu Gast sein und seine Zweitliga-Auswärtspartie bei der „Alten Dame“ absolvieren. So viel Trotz muss sein.

Alle zusammen für Preußen Münster!


Spielzusammenfassung

Pressekonferenz

1 Antwort

  1. Ronald Drinkmann sagt:

    Was mich ärgert ist die Suspendierung von Marc Lorenz. Da hatte es mit Sicherheit eine andere Lösung gegeben. Aber wenn wir wir uns so stark beim SC Verl bedienen kann das meiner Meinung nach nicht gut gehen.

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