Frost, Feuer, Frust – Preußen und Schalke gehen unentschieden auseinander!

Neben dem Derby stand das wahrscheinlich wichtigste und meist angefragte Spiel der Saison an. Der (glorreiche) FC Schalke 04 war zu Gast in unserem schönen Münster. Bei frostigen 2 Grad durften sich 10.000 Fans an dem Spiel ergötzen. Glaubt man den Schalker Quellen, hätten die Königsblauen aber auch alleine 20.000 Fans mitgebracht. Und laut Philipp Deipenbrock hätten auch wir Preußen 20.000 bis 30.000 Karten noch rausgeben können – aber aufgrund des Umbaus sind wir auf 10.000 limitiert. Umso glücklicher konnten sich die Leute schätzen, die an Tickets gekommen waren.
Erfreuliche Nachrichten gab es aus dem Lazarett unserer Jungs: Joshua Mees und Marcel Benger sind nach ihren Verletzungen zurück und stehen erstmals wieder im Kader. Benger steht sogar in der Startelf und ersetzt dort Preißinger, der wie Lars Lokotsch zunächst auf der Bank Platz nehmen muss. Für ihn rückt Oscar Vilhelmsson in die Startformation. Die Herangehensweise wie immer: mit schnörkellosem Kurzpassspiel von hinten nach vorne kombinieren und treffen.
Unter Muslić sind die Schalker für ihr intensives Pressing über das gesamte Feld bekannt. Besonders wichtig dabei: Soufiane El-Faouzi. Der Junge spult Kilometer um Kilometer ab – und das in jedem Spiel. Erwähnenswert in der Schalker Startelf sind außerdem die beiden „Knappen“ Mika Wallentowitz, in seinem erst vierten Zweitligaspiel, und Mertcan Ayhan, der seit dem neunten Spieltag in der Dreierkette gesetzt ist. Und natürlich der Preußen-Schreck: Loris Karius. Im Februar hatte er in seinem ersten Spiel als Blau-Weißer eine Performance hingelegt, die war Champions League. Ach ja – da war mal was.
Nun sollte sich zeigen, was sich durchsetzt: das End’sche Tiki-Taka oder das Muslić’sche Pressing?
Der Anfang war still und laut zugleich!
Dieser 13. Spieltag in der 1. und 2. Bundesliga – beziehungsweise der 15. Spieltag in der 3. Liga – stand unter dem Stern des Zusammenhalts. Es ging dabei um die IMK, die von angeblich nicht vorhandener Stadionsicherheit spricht und der allgemeinen Fankultur mit personalisierten Tickets und Gesichtsscans schadet. Und was macht die deutsche Fußball-Fanlandschaft, wenn ihr etwas nicht gefällt, was bei der IMK besprochen wird? Richtig: protestieren! Deshalb herrschte in allen deutschen Profistadien in den ersten zwölf Spielminuten Stille – im Sinne des Protests gegen die geplanten Maßnahmen und als Zeichen, dass die deutschen Stadien sicher sind. Bereits am vergangenen Wochenende, während unserer JHV und in der Länderspielpause, hatten sich über 20.000 Ultras aus mehr als 40 Vereinen in Leipzig getroffen, um ein Zeichen zu setzen.
Direkt in Minute zwei der erste „Aufreger“: Nach einer Ecke behindert Wallentowitz augenscheinlich Jojo, der den Ball nicht fangen kann und zu Boden geht. Der Ball landet im Tor, doch Schiedsrichter Lechner entscheidet auf Foul. Man kann schon sagen, dass Jojo deutlich mehr aus der Szene macht und dafür belohnt wird – ein klares Foulspiel ließ sich meiner Meinung nach anhand der TV-Bilder nicht erkennen. Immer wieder kommen die Schalker vor das Münsteraner Tor, aber Jojo hat etwas dagegen. Dann auch mal Entlastung für unsere Defensive: Batista Meier findet in Minute zehn aus abseitsverdächtiger Position Vilhelmsson am rechten Pfosten, der aus kurzer Distanz einschiebt. Doch nach VAR-Entscheid wird das vermeintliche 1:0 zurückgenommen. Wenige Minuten zuvor scheiterte Vilhelmsson im Eins-gegen-eins an Karius. Aber Kopf hoch – die ersten Minuten waren vielversprechend.
Bis zur Halbzeit entwickelt sich ein echter Schlagabtausch: mal ein Schuss auf Jojos Tor, mal einer auf das von Karius. Sobald sich im Mittelfeld Lücken im Schalker Aufbauspiel ergaben, nutzten unsere Adler diese und versuchten eiskalt zu sein. Aber leider waren die Temperaturen das Einzige, was wirklich eiskalt war. Bis zum Pausenpfiff sammelten gleich drei Schalker eine Gelbe Karte: Ayhan, Schallenberg und Porath.
Es geht dementsprechend verdient mit einem 0:0 in die Pause, obwohl sich beide Mannschaften definitiv hätten belohnen können.
Marktwert-Multimillionäre prallen aufeinander!
In Minute 55 müssen unsere Preußen einen herben Rückschlag hinnehmen. Nach einem Steckpass von Wallentowitz auf Moussa Sylla krachen Sylla und Jojo zusammen. Jojo wollte den Ball in Manuel-Neuer-Manier gut 30 Meter vor dem Tor klären, verschätzte sich aber komplett und rauschte in Sylla. Beide bleiben zunächst liegen, doch Jojo hat es deutlich schwerer erwischt. Nachdem er wieder stand, griff Florian Lechner zur roten Karte. Für mich die falsche Entscheidung: Sylla legt sich den Ball vom Tor weg Richtung Seitenauslinie, und Jannis Heuer war in unmittelbarer Nähe – alles Argumente für eine Gelbe Karte. Somit nur noch zu zehnt.
Vom Feld musste Oscar Vilhelmsson, der ein gutes Spiel gemacht hatte und viele gute Ansätze zeigte. Für ihn kam Morten Behrens.
Die rote Karte hatte zur Folge, dass unsere Jungs kaum noch Interesse an Offensivfußball hatten. Kaum ein Ball kam noch in die gefährliche Zone – klares Ziel jetzt: die Null halten und den Punkt sichern. Immer wieder tauchen Karaman oder Sylla mit gefährlichen Aktionen auf, aber entweder klärt die Verteidigung oder Behrens macht dicht.
Die Schalker waren mit Ball gegen unseren tiefen Block maßlos überfordert und fanden kaum Lösungen. So endet das Spiel folgerichtig 0:0. Auf beiden Seiten wäre deutlich mehr drin gewesen, doch durch den Platzverweis änderte sich das ganze Spiel und wurde zunehmend träge.
Der richtige Ansatz!
Man hat gestern erneut gesehen, dass die spielerische Idee, die wir verfolgen, definitiv gut ist und funktionieren kann. Wir brauchen einfach Geduld und Effizienz, um unsere hochwertigen Chancen zu nutzen. Durch den Platzverweis müssen wir im Derby gegen Bielefeld auf unsere Stamm-Nummer-Eins verzichten, aber Morten Behrens hat bewiesen, dass auch er das Zeug dazu hat, uns Punkte zu sichern. Es sind außerdem keine neuen Gelbsperren hinzugekommen; Preißinger und ter Horst bleiben bei vier Verwarnungen.
Kommendes Wochenende werden wir dann wahrscheinlich auch wieder Mees im Trikot sehen – das Spiel gegen Schalke musste er komplett von der Seite aus beobachten.
Das Restprogramm bis Weihnachten und zum Jahreswechsel sieht allerdings nicht gerade leicht aus: Alle vier Gegner stehen über uns in der Tabelle. Aber was heißt das schon? Gestern haben wir dem Tabellenzweiten ordentlich Paroli bieten können und über 40 Minuten (inklusive Nachspielzeit) in Unterzahl dagegengehalten. Bielefeld am kommenden Wochenende wird wichtig – auch für die Stimmung im und um den Verein. Gegen Hannover, Darmstadt und Elversberg muss man versuchen, das Maximum herauszuholen und mit so vielen Punkten wie möglich zu überwintern.
Alle zusammen für Preußen Münster!
Spielzusammenfassung
folgt




