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Kellerduell ohne Floskeln

Die Lage ist ernst – und längst frei von Durchhalteparolen. Was in den vergangenen Wochen an Motivationssprüchen und kämpferischen Phrasen bemüht wurde, ist aufgebraucht. Vor dem nächsten Kellerduell bleibt deshalb nur der nüchterne Blick auf Zahlen, Daten und Fakten.
Beim Auswärtsspiel in Kiel gelang Preußen Münster zuletzt zumindest ein kleiner Schritt nach vorn: ein torloses Remis und damit der erste Punkt nach zuvor drei Niederlagen in Serie. Auch defensiv zeigte sich die Mannschaft stabiler als in den Wochen zuvor. Der Abstand zum rettenden 15. Tabellenplatz beträgt aktuell lediglich zwei Punkte – eine durchaus machbare Aufgabe. Gleichzeitig ist die Situation trügerisch: Die Tabelle präsentiert sich extrem eng. Zwischen Platz 10 und Platz 18 liegen nur sechs Punkte, die Richtung für den Saisonendspurt ist völlig offen.
Fürth als direkter Konkurrent
Greuther Fürth ist innerhalb einer Woche von Rang 14 auf Platz 17 abgerutscht und damit zum direkten Tabellennachbarn der Adlerträger geworden. Für Preußen Münster bietet sich somit eine große Chance: Mit einem Sieg ließe sich nicht nur ein Konkurrent überholen, sondern je nach Spielverlauf sogar der Sprung auf Platz 14 oder mit einem entsprechend deutlichen Ergebnis auf Rang 13 realisieren.
Allerdings wäre auch das zunächst nicht mehr als eine Momentaufnahme. Die verbleibenden Aufgaben werden kaum einfacher – eher im Gegenteil: Mit Fürth und später Arminia Bielefeld warten, gemessen an der Tabelle, bereits die vermeintlich „leichtesten“ Gegner. Bleiben hier die dringend benötigten Punkte aus, wird die Lage im Abstiegskampf zwar noch nicht aussichtslos, aber deutlich kritischer.
Das Hinspiel dürfte vielen SCP-Fans noch unangenehm in Erinnerung sein. Lange sah alles nach einem torlosen Unentschieden aus, ehe Fürth in der 95. Minute doch noch zum 1:0 traf. Ein später Treffer, der eher zufällig wirkte und das Spielglück auf Seiten der Franken zeigte – ein Remis wäre dem Spielverlauf wohl gerechter gewesen. Jetzt bietet sich die Gelegenheit zur Revanche.
Schwache Werte und Ausfälle bei Fürth
Ein Blick auf die Statistik offenbart die Schwächen der Gäste: Mit 61 Gegentoren stellt Fürth die anfälligste Defensive der Liga, die Tordifferenz von -21 ist ebenfalls der schwächste Wert. Ein Faktor, der im Saisonendspurt noch entscheidend werden könnte. Allerdings ist auch Münster mit einer Tordifferenz von -16 nicht weit entfernt, wenn auch noch etwas besser dastehend.
Personell muss Fürth einige Ausfälle verkraften: Torhüter Timo Schlieck, Mittelfeldspieler Sacha Bansé, Angreifer Dennis Srbeny sowie Abwehrchef Philipp Ziereis stehen nicht zur Verfügung. Trainer Heiko Vogel blieb auf der Pressekonferenz dennoch bei einfachen Botschaften und formulierte knapp: „Ich will gewinnen.“ Eine tiefergehende Analyse der jüngsten Niederlagen gegen Paderborn und Karlsruhe blieb jedoch aus.
Dabei hatte Fürth zuvor durchaus überzeugt und aus vier Spielen starke zehn Punkte geholt – unter anderem mit Erfolgen gegen Elversberg und Hannover sowie einem Remis gegen Schalke. Damals noch Tabellenletzter kämpften sich die Franken eindrucksvoll zurück in den Kampf um den Klassenerhalt. Auch das ist ein Sinnbild für die extreme Schwankungsbreite im Tabellenkeller.
Rund 800 Gästetickets wurden bis Donnerstag abgesetzt. Ein Großteil der Fürther Anhänger wird mit einem von der aktiven Fanszene organisierten Sonderzug anreisen und ihre Mannschaft im wichtigen Auswärtsspiel unterstützen.
Personalfragen beim SCP
Topscorer Oliver Batista-Meier, der bei sechs Toren und vier Vorlagen steht, ist mit an Bord. Seine Verletzung, wegen der er in Kiel ausgewechselt werden musste, stellte sich glücklicherweise als weniger schwerwiegend heraus als zunächst befürchtet. Ein Einsatz gegen Fürth scheint daher möglich.
Fehlen wird dagegen auf jeden Fall Marvin Schulz wegen seiner fünften Gelben Karte. Oscar Vilhelmsson musste am Donnerstag die Trainingseinheit wegen Adduktorenbeschwerden abbrechen. Trainer Schwartz sagte dazu: „Wir haben noch sechs wichtige Spiele vor der Brust, werden bei ihm deshalb nichts riskieren.“ Ein Einsatz am Samstag ist also mehr als fraglich. Marcel Benger fehlte aufgrund einer Erkrankung bereits gegen Kiel und hat offenbar noch Nachholbedarf, sodass auch bei ihm ein Einsatz am Samstag fraglich ist.
Schwartz fordert Geschlossenheit
Auf der Pressekonferenz betonte SCP-Trainer Alois Schwartz, dass in Kiel nur erste Schritte gemacht und zunächst die Basics abgerufen wurden. Daran, das Niveau weiter anzuheben, sei in der vergangenen Woche gearbeitet worden. Besonders hob er hervor, was in der aktuellen Situation wohl zwingend erforderlich ist, um den Abstiegskampf erfolgreich zu bestreiten: „Wir standen als Mannschaft auf dem Platz, haben als Mannschaft verteidigt.“
Ohne Zusammenhalt, ohne die Bereitschaft, auch für den Mitspieler den einen Schritt mehr zu machen, wird es nicht gehen. Zusammengefasst stellte er fest: „Wir haben sechs Endspiele.“
Mehr ist dem nicht hinzuzufügen. Also genug der Worte – lasst Taten sprechen.
Fanszene setzt Zeichen
In besonderen Momenten braucht es manchmal auch einen Impuls von außen. Einen solchen zusätzlichen Impuls will die aktive Fanszene setzen: Für den von ihr organisierten Fanmarsch gilt ab 09:00 Uhr der Südpark als Treffpunkt. Von dort geht es etwa eine Stunde später gemeinsam zum Preußenstadion.
Alle zusammen für Preußen Münster.










