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Preußen greift gegen Hannover nach dem letzten Stohhalm

Ich habe lange überlegt, wie ich in die Vorschau für das zweitletzte Auswärtsspiel der Saison einsteigen kann. Irgendwie fühlte sich nichts richtig an. Vielleicht ist es auch genau das, was die Situation rund um unseren SC Preußen in den vergangenen Wochen so gut beschreibt.
Denn spätestens seit der Derbyniederlage, nach dem für viele alles aus und vorbei zu sein scheint, ist sogar den größten Optimisten mit Preußenherz klar, dass der SCP am Sonntag nur noch nach dem letzten Strohhalm greifen kann. Und sind wir ehrlich, dieser Strohhalm ist nicht nur sehr klein und dünn, sondern auch brüchig und kaum greifbar.
Was im Moment Hoffnung macht? Eigentlich nicht so viel. Dennoch lieben wir doch alle diesen Sport, weil dieses Wort „eigentlich“ immer noch irgendwo einen Platz hat. Um nochmal unseren Aufstiegstrainer Sascha Hildmann zu zitieren: „Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist.“
Zwischen Realität und Resthoffnung
Die Ausgangslage ist klar. Sechs Punkte Rückstand auf Rang 15, das schlechte Torverhältnis zusätzlich im Nacken. Die Konkurrenz punktet in einer Regelmäßigkeit, die uns in der gesamten Rückrunde gefehlt hat. Ein Sieg aus 17 Spielen – eine Bilanz, die wie Tonnen auf den Schultern lastet.
Vielleicht ist es genau dieses Spannungsfeld, das die Stimmung rund um dieses Spiel so schwer greifbar macht. Jeder weiß, was die Stunde geschlagen hat und es nicht einmal wirklich unrealistisch ist, dass Sonntagnachmittag der bittere Gang zurück in die 3. Liga nicht mehr abzuwenden ist. Und trotzdem fährt man los. 3.514 Preußen werden sich auf den Weg in die niedersächsische Landeshauptstadt machen, weil Aufgeben nie eine Option war. Und auch jetzt keine ist.
Auftritt auf der großen Bühne
Die ausverkaufte Heinz-von-Heiden-Arena wird mit 49.200 Zuschauern gefüllt sein. Die ganz große Bühne vor Bundesligakulisse. Vielleicht zum letzten Mal für lange Zeit für die Preußen. Und genau darum muss es gehen: Diese Atmosphäre aufsaugen. Noch einmal zeigen, was wir können. Was diesen Verein ausmacht. Was uns ausmacht.
Denn die Mannschaft repräsentiert nicht nur den Club und die Stadt – sie repräsentiert auch uns. Und da liegt aktuell ein Problem. Die letzten Wochen waren nicht nur ergebnistechnisch schwer zu ertragen, sondern auch in der Art und Weise. Es fehlte bei einigen Spielern zu oft das, was man in so einer Situation erwartet: kratzen, beißen, kämpfen.
Wenn selbst aus der Mannschaft nach dem Derby ähnliche Töne zu hören sind, ist das ein deutliches Zeichen. Eines, das man nicht einfach wegdiskutieren kann. Immerhin: Alois Schwartz gibt sich kämpferisch. Natürlich muss er das, alles andere wäre Kapitulation. „Mut zur Verzweiflung“ trifft es vielleicht ganz gut.
Gewinnen ist Pflicht
Und personell? Die Ausfalliste ist mal wieder sehr lang. Auch das ist ein Punkt, den man bei der Analyse der Saison genauer anschauen sollte. Kirkeskov, Meyerhöfer, Benger – raus. Amenyido, wird voraussichtlich nicht mehr für den SCP auflaufen. Auch Vilhelmsson fehlt. Preißinger gesperrt. Dazu die Langzeitverletzten Batmaz, Scherder, Tikvic. Hinter Mees steht noch ein Fragezeichen.
Das erklärt einiges. Aber nicht alles. Denn neben den Ausfällen fehlt vor allem eines: Leichtigkeit. Vorne werden die Chancen vergeben, hinten passieren zu viele Fehler. Ein toxischer Mix in einer Phase, in der jeder Punkt zählt.
Und trotzdem gab es am Donnerstag noch einen Moment, der uns daran erinnert hat, warum wir das alles machen: 120 Jahre Preußen Münster. 120 Jahre Geschichte, Leidenschaft, Wahnsinn. Dieser Verein ist größer als jede Tabelle. Der Vereinsgeburtstag wird am Sonntag auch im Gästeblock gebührend gefeiert werden.
Hannover will hoch
Und dann ist da noch der Gegner. Hannover 96 – beste Rückrundenmannschaft, Platz 3, auf dem Weg zurück ins Oberhaus. Unter Christian Titz hat sich eine Mannschaft entwickelt, die besonders mit Laufstärke, Spielstärke und großem Selbstverständnis überzeugt.
Die „Roten“ wissen im engen Aufstiegskampf, worum es geht. Und sie werden keine Geschenke verteilen.
Und wir?
Vielleicht ist genau das die ehrlichste Herangehensweise an dieses Spiel: nicht mehr groß rechnen, nicht mehr auf Wunder hoffen – sondern einfach hinfahren und laut sein. Hinter der Mannschaft stehen, auch wenn sie es uns in den letzten Wochen nicht immer leicht gemacht hat.
Ob es nochmal so läuft wie in Magdeburg letztes Jahr? Der Glaube ist klein geworden. Sehr klein. Aber ganz weg ist er nicht. Und solange das so ist, steigen wir in diesen Zug oder ins Auto. Fahren nach Hannover. Stellen uns in diesen Block. Und hoffen.
Denn eines steht fest: auch wenn sich das Gesicht der Mannschaft in der kommenden Saison sehr verändern wird, werden wir es sein, die unsere Farben weiterhin durch die Nation tragen. Und auch wenn es dann möglicherweise nicht mehr die ganz großen Arenen sind, werden wir unserem SC Preußen zur Seite stehen.
Nichts beschreibt die Situation im Moment besser als der Klassiker aus der Kurve: „die Erfolge sind vergangen, um die Zukunft muss man bangen, wir gehen diesen Weg, weil unser Herz nur für dich schlägt. Deine Kraft ist unsere Liebe, unsere Träume deine Ziele. Niemand zwingt dich in die Knie, denn Tradition stirbt einfach nie.“
Alle zusammen für Preußen Münster!










