Abstieg. Anfang. Aufbruch.

Heute ist der 1. Juli 2026. Auf den Tag genau sechs Jahre ist es her, dass der SC Preußen Münster an einem lauen Mittwochabend die letzte Chance auf den Klassenerhalt in Liga 3 verspielte und gegen den SV Meppen mit 0:3 verlor. Abstieg in die Regionalliga nach einer Saison, die unter sehr schwierigen Bedingungen zu Ende ging.

Die globale Corona-Pandemie hatte dafür gesorgt, dass die dritte Liga für mehrere Monate unterbrochen war und im Frühsommer mit aller Gewalt beendet wurde. In mehreren englischen Wochen entschieden die Teams der 3. Liga unter Ausschluss der Öffentlichkeit über Auf- und Abstieg. Alle Akteure fuhren ein deutlich erhöhtes Pensum und hatten wenig Zeit zur Regeneration.

Einspruch gegen Niederlagen

War das irregulär? Die Vereinsführung um den damaligen Geschäftsführer Malte Metzelder war davon überzeugt und legte (vergebens) Einspruch gegen jede Niederlage nach dem Restart ein. Die Häme von Fans anderer Vereine gab es gratis dazu. Auch nach dem Spiel gegen Meppen wurde wieder Einspruch eingelegt. Gegen Siege konnte man übrigens rein rechtlich keinen Einspruch einlegen, da dem SCP kein Nachteil entstanden war.

Der Abend des Spiels gegen Meppen war nicht nur wegen des Ergebnisses bitter. Da es aufgrund der Pandemie Beschränkungen gab, war ein Stadionbesuch überhaupt nicht möglich. Auch ein größeres Rudelgucken im Freundeskreis hätte mindestens unangenehme Fragen ausgelöst. So saßen viele Preußenfans in kleineren Gruppen oder sogar ganz alleine vor Laptops, Fernsehern oder Handys und verfolgten dieses Spiel.

Kleine Hoffnung auf Klassenerhalt

Die Voraussetzungen waren zwar schlecht, aber noch nicht hoffnungslos. Für die Meppener, bei denen ein gewisser Deniz Undav für Furore gesorgt hatte, ging es um gar nichts mehr. Sie lagen jenseits aller Sorgen auf Platz 8. Vielleicht also ein Gegner, der nicht mehr mit voller Kraft spielen würde. Und auch das letzte Spiel gegen Magdeburg könnte noch eine Chance bieten. Denn diese lagen drei Punkte vor dem ersten Abstiegsplatz und hatten das beste Torverhältnis aller Kellerkinder. Im letzten Saisonspiel würden sie so gut wie sicher vor dem Abstieg sein.

Dennoch brauchte der SCP zwei Siege. Aber die kamen bekanntlich nicht. Schon nach fünf Minuten erzielte Guder das 0:1 für Meppen und ein Doppelschlag nach der Pause durch Kleinsorge und El-Helwe zog den Preußen den Stecker. Aus und vorbei, nach neun Jahren auf der bundesweiten Fußballbühne ging es in die Regionalliga.

Wie weiter nach dem Abstieg?

Unser Redakteur Jens fand nach dem besiegelten Abstieg gute Worte: „Ich wünsche den Verantwortlichen jedoch viel Erfolg bei der Zusammenstellung eines neuen schlagkräftigen Kaders und von den Fans wünsche ich mir Geduld und Nachsichtigkeit, sollte der direkte Wiederaufstieg nicht sofort klappen. Der SCP hat jetzt die Chance sich komplett neu aufzustellen, eine Philosophie und ein Konzept zu entwickeln und diese zielstrebig zu verfolgen, denn mit Hauruck Aktionen kann man am Ende noch viel tiefer fallen.“ (Hier der ganze Artikel: Link)

Eine Aussage, die damals nicht nur bei mir einen Nerv traf. Der Abstieg war ärgerlich und tat gerade in dieser verrückten Corona-Zeit sehr weh. Aber er kam nicht überraschend. Das Experiment mit Sven Hübscher scheiterte auf ganzer Linie und Sascha Hildmann hatte einfach zu wenig Spiele für eine Rettung. Und die Mannschaft stand sich zu oft selbst im Weg. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir eine Rote Karte in Köln und ein Eigentor in Chemnitz.

Alle Zeichen auf Anfang

Aber dieser Abstieg war auch ein neuer Anfang. Keiner von uns ahnte natürlich, dass wir uns sechs Jahre später über einen Abstieg aus Liga zwei ärgern würden. Trainer Hildmann blieb ebenso wie Simon Scherder, Max Schulze Niehues und Julian Schauerte an Bord. Aber sonst standen die Zeichen auf Neuanfang. Malte Metzelder, der in Münster vor allem Mangel verwalten musste, verließ den Klub und wurde durch Peter Niemeyer ersetzt. Dieser zog mit Fiege einen neuen Hauptsponsor an Land, der sich bis heute und auch nach Niemeyers Abgang maßgeblich engagiert.

Irgendwann in dieser Zeit gab es irgendwo im Preußen-Kosmos eine Präsentation. Einige „junge Wilde“ um Janis Hohenhövel, Sören Weinfurtner und Kieran Schulze-Marmeling zeigten der sportlichen Leitung einen Weg auf, der zur Blaupause für den Erfolg der kommenden Jahre wurde. Zunächst intern und irgendwann auch extern wurde so eine Aufbruchsstimmung erzeugt, die zumindest ein bisschen Optimismus entstehen ließ.

Pokalsieg für den Aufbruch

Denn in der ersten Regionalliga-Saison, die durch Geisterspiele, Corona-Auflagen und wirklich miese Streaming-Angebote geprägt war, wurde es holprig. Der SCP entwickelte sich zu einer „Hopp-oder-Topp“-Mannschaft: In 21 Spielen bis Ende 2020 gab es gerade einmal vier Unentschieden. Aber es gab auch endlich wieder Siege. Die Saison endete mit dem Triumph im Westfalenpokal gegen die Sportfreunde Lotte (Wegkamp per Elfmeter).

Dieser Sieg und die vielen kleinen Pokalfeiern, die im Münsterland vor Leinwänden, Fernsehern und Tablets stattfanden, waren willkommene Gründe zur Freude nach vielen Jahren Tristesse. Und zumindest für mich war es endgültig ein Grund für Aufbruchsstimmung. Klar, die Regionalliga war blöd, aber die sportliche Perspektive zeigte endlich wieder nach oben.

Fazit

Lernen wir aus dem 1. Juli 2020 irgendwas für das Hier und Jetzt oder sogar für die Zukunft? Wahrscheinlich nicht, denn im Fußball geht es viel zu oft um nicht planbare Details und Zufälle. Aber der 1. Juli 2020 bleibt ein historischer Tag, der den SC Preußen geprägt hat und bis heute verändert. Das neue Stadion, ein stabiler Sponsorenpool und ein echtes NLZ: Viele Grundlagen dafür wurden in den Wochen nach diesem schmerzhaften Tag gelegt. Der Auftakt für eine hoffentlich bessere Zukunft des SCP. Das ist der 1. Juli 2020.

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