Zwei alte Bilder holen uns ein – unser Fall mit KSP und dpa

Wir betreiben Nullsechs.de mittlerweile schon eine ganze Weile. In dieser Zeit sind viele Artikel, Bilder und Beiträge zusammengekommen. Vieles davon entstand ehrenamtlich, neben der Arbeit und manchmal auch einfach schnell, weil ein Thema aktuell war.

Seit Jahren achten wir sehr genau darauf, welche Bilder wir verwenden dürfen. Wir nutzen eigene Fotos, Bilder mit Freigabe oder Material, bei dem die Rechte geklärt sind.

Trotzdem sind uns jetzt zwei alte Sachen um die Ohren geflogen.

Dabei ging es nicht um aktuelle Artikel, sondern um Bilder aus einer Zeit, in der wir noch nicht so genau gearbeitet und alles sauber dokumentiert haben wie heute.

Post von KSP

Anfang Juli bekamen wir ein Schreiben von KSP. Die Kanzlei schrieb uns im Auftrag der dpa Picture-Alliance an.

Es ging um ein altes Foto auf unserer Website. Wir haben schnell erkannt, welches Bild gemeint war. Der Artikel und das Bild wurden von uns entfernt und wir haben uns den ganzen Vorgang genauer angesehen.

Dabei stellte sich heraus, dass das Foto tatsächlich bei der dpa Picture-Alliance zu finden ist. Eine Lizenz oder eine eindeutige Freigabe für unsere damalige Nutzung konnten wir nicht nachweisen.

Damit war für uns relativ schnell klar, worum es geht.

Natürlich war das erst einmal ein Schock. Man bekommt nicht jeden Tag Post von einer Kanzlei. Vor allem nicht wegen eines Bildes, das vor vielen Jahren auf die Website gestellt wurde und das man selbst schon lange nicht mehr auf dem Schirm hatte.

Es geht um alte Fehler

Uns ist wichtig zu sagen, dass wir nicht erst seit diesem Schreiben auf Bildrechte achten.

Wir arbeiten schon seit Jahren anders. Bilder werden von uns nicht einfach irgendwo aus dem Internet genommen und auf Nullsechs.de hochgeladen. Bei aktuellen Beiträgen wissen wir normalerweise, woher ein Bild kommt und ob wir es verwenden dürfen.

Das Problem waren zwei alte Veröffentlichungen.

Nullsechs.de gibt es nicht erst seit gestern. Über die Jahre haben verschiedene Leute Artikel geschrieben, Bilder hochgeladen und an der Seite gearbeitet. Dazu kamen mehrere technische Änderungen und auch Umzüge der Website.

Da kann es passieren, dass alte Inhalte vergessen werden. Das ist keine Entschuldigung, aber es ist die Erklärung dafür, wie so etwas entstehen kann.

Wir haben unsere Arbeitsweise vor Jahren geändert. Die alten Bilder waren dadurch aber nicht automatisch verschwunden.

Im Internet gefunden bedeutet nicht frei verwendbar

Ein Bild kann bei Google, Facebook oder auf einer anderen Website zu finden sein. Das bedeutet aber nicht, dass man es einfach übernehmen darf.

Auch wenn man den Fotografen nennt oder eine Quelle unter das Bild schreibt, hat man nicht automatisch die Erlaubnis, das Foto zu verwenden.

Das war früher sicherlich vielen weniger bewusst als heute. Gerade bei kleinen Blogs, Fanprojekten und Vereinsseiten wurden Bilder oft einfach übernommen, weil sie zum Artikel passten.

Wir wollen uns davon auch gar nicht komplett freisprechen. Bei alten Veröffentlichungen ist das bei uns offenbar ebenfalls passiert.

Heute würden wir ein Bild ohne geklärte Herkunft nicht mehr verwenden.

Alte Artikel können Jahre später noch Probleme machen

Das Überraschende an der ganzen Sache ist nicht unbedingt, dass Bildrechte geschützt sind.

Überraschend ist eher, wie lange so ein alter Fehler später noch eine Rolle spielen kann.

Ein Artikel kann zehn Jahre alt sein und trotzdem weiterhin über Google gefunden werden. Auch wenn er auf der Startseite längst keine Rolle mehr spielt, liegt er noch im Archiv.

Dasselbe gilt für Bilder in der WordPress-Mediathek. Sie können noch erreichbar sein, obwohl niemand aus der Redaktion mehr an sie denkt.

Genau das macht alte Webseiten so schwierig.

Bei einem neuen Artikel weiß man noch, woher ein Bild stammt. Nach vielen Jahren weiß vielleicht niemand mehr, wer es hochgeladen hat, von welcher Seite es kam oder ob es damals irgendeine Absprache gab.

Eine Erinnerung wie „Das war bestimmt freigegeben“ hilft dann leider nicht weiter.

Wir wollen uns nicht herausreden

Nullsechs.de ist ein ehrenamtliches Fanmagazin. Wir verdienen damit keine großen Summen und machen das alles in unserer Freizeit.

Trotzdem gelten natürlich auch für uns die Regeln des Urheberrechts.

Dass wir ein kleines Projekt sind, bedeutet nicht, dass wir einfach fremde Bilder nutzen dürfen.

Wir wollen deshalb auch nicht sagen, dass alle anderen schuld sind und wir gar nichts dafür können. Das wäre nicht ehrlich.

Wenn wir für ein Bild keine Erlaubnis nachweisen können, dann ist das erst einmal unser Problem.

Trotzdem möchten wir deutlich machen, dass es sich um alte Sachen handelt. Unsere heutige Arbeit und unser heutiger Umgang mit Bildern sehen anders aus.

Beides gehört zur Wahrheit.

Fotografen haben ein Recht auf ihre Arbeit

Wir können auch verstehen, dass Fotografen und Bildagenturen ihre Rechte schützen.

Ein gutes Foto entsteht nicht einfach so. Fotografen investieren Zeit, Geld und Arbeit. Sie fahren zu Veranstaltungen, kaufen teure Ausrüstung und leben teilweise davon, dass ihre Bilder lizenziert werden.

Es wäre deshalb falsch, so zu tun, als dürften Bilder grundsätzlich kostenlos benutzt werden.

Unser Ärger richtet sich nicht dagegen, dass Bilder geschützt sind.

Unser Ärger richtet sich eher gegen uns selbst, weil zwei alte Veröffentlichungen offenbar nicht sauber waren und wir das heute nicht mehr rückgängig machen können.

Was wir daraus lernen

Unsere aktuelle Arbeitsweise müssen wir nicht komplett ändern. Wir achten schon lange auf Freigaben und Bildrechte.

Was wir aber ändern müssen, ist der Blick zurück.

Wir werden uns nach und nach ältere Artikel ansehen und prüfen, ob die Herkunft der Bilder noch nachvollziehbar ist.

Bei Bildern, bei denen wir uns nicht sicher sind, werden wir eher löschen, als ein Risiko einzugehen.

Außerdem wollen wir Freigaben und Lizenzen noch besser und zentraler speichern. Es bringt nichts, wenn eine Erlaubnis irgendwo in einem alten E-Mail-Postfach liegt und später niemand mehr weiß, wo sie zu finden ist.

Auch Social Media gehört dazu. Ein Bild, das von der Website entfernt wurde, kann vielleicht noch in einem alten Facebook-Beitrag oder auf einem anderen Kanal vorhanden sein.

Das alles zu prüfen, ist bei einer Seite mit vielen Jahren Geschichte keine kleine Aufgabe.

Aber der Fall zeigt, dass es notwendig ist.

Unser Rat an andere kleine Webseiten

Schaut nicht nur auf eure neuen Beiträge.

Schaut auch in eure alten Artikel und in eure Mediathek.

Gerade wenn eine Website schon viele Jahre läuft, können dort Bilder liegen, bei denen niemand mehr weiß, woher sie eigentlich stammen.

Wenn ihr keine Freigabe, keine Lizenz und keine klare Herkunft mehr findet, solltet ihr überlegen, ob das Bild wirklich online bleiben muss.

Ein Artikel ohne Bild ist am Ende immer noch besser als ein teures Problem wegen eines alten Fotos.

Warum wir darüber schreiben

Wir hätten das Ganze auch einfach still behandeln können.

Wir finden aber, dass es sinnvoll ist, offen darüber zu sprechen. Nicht, um Mitleid zu bekommen und auch nicht, um KSP oder die dpa Picture-Alliance anzugreifen.

Wir wollen andere kleine Webseiten, Fanprojekte und Vereine darauf aufmerksam machen.

Auch wenn ihr heute sauber arbeitet, können alte Fehler noch irgendwo in eurem Archiv liegen.

Bei uns waren es zwei alte Sachen. Das Bild aus dem Schreiben von KSP haben wir schnell erkannt und entfernt. Trotzdem war die damalige Veröffentlichung bereits passiert.

Wir können das nicht mehr ändern.

Wir können nur daraus lernen und anderen sagen: Schaut lieber einmal zu viel in eure alten Beiträge als einmal zu wenig.

Denn manchmal reicht ein einziges altes Bild, um Jahre später ein sehr aktuelles Problem zu bekommen.

Am Ende hat uns der Spaß fast 1.000 € gekostet. Achtet also, was Ihr veröffentlicht.

PS: Falls Du uns hier unterstützen kannst und möchtest wäre dies über PayPal möglich.


Hinweis: Dieser Artikel beschreibt unsere eigenen Erfahrungen und ist keine Rechtsberatung.

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