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Prinzip Hoffnung aufs Kollektiv – Die alljährliche Kaderanalyse

Vorab eine Art Disclaimer: Ich wünsche mir sehr, dass ich in knapp zehn Monaten hier sitzen werde und komplett daneben lag. Dass ich zurückdenke, den Kopf schüttele und erkennen muss: Gott sei Dank sitzen beim SCP Profis für die Kaderplanung am Werk. Denn derzeit ist die Euphorie tatsächlich noch sehr überschaubar, um nicht zu sagen nicht existent. Klar, der SCP hat eine interessante Mischung im Kader, aber der letzte Funke ist bislang nicht übergesprungen. Das geschieht aber dann hoffentlich bald, wenn es endlich wieder losgeht. Aber warum diese Kritik? Schauen wir uns das Ganze doch einmal dezidiert an:
Die Abgänge
Davon gibt es einige. 16 an der Zahl. Leihspieler wie Jannis Heuer, Imad Rondic und Shin Yamada kehrten zurück zu ihren Vereinen, andere wie Eigengewächs Jano ter Horst und Oliver Batista Meier (beide zum SC Paderborn) generierten sogar Ablösen und sind ab dieser Saison sogar Bundesliga-Profis. Mit Marco Meyerhöfer, Mikkel Kirkeskov und Marian Kirsch sind noch drei Spieler vereinslos unterwegs. Paul Jaeckel (1. FC Magdeburg) und Tobias Raschl (Dynamo Dresden) zog es in den Osten der Republik, sie bleiben der 2. Bundesliga erhalten. Ein zeitnahes Wiedersehen gibt es mit Lars Lokotsch, der in Ingolstadt unterschrieb und beim ersten Heimspiel der neuen Saison nach Münster zurückkehren wird.
Etienne Amenyido startet hingegen in Ungarn in ein Abenteuer bei Újpest FC, dem Verein wo auch schon Ex-Preuße Heinz Mörschel unter Vertrag stand. Und dann wäre noch ein Trio, genauer gesagt mit Trainer ein Quartett, dass man in der kommenden Saison ebenfalls in der 3. Liga wiedersieht. Mit Yassine Bouchama, Marcel Benger und Jorrit Hendrix kehrten drei Akteure dem SCP den Rücken und unterschrieben beim Mitabsteiger Fortuna Düsseldorf. Trainer dort? Ex-Preußen-Coach Alexander Ende, der nach seinem Aus in Münster mit der Fortuna abstieg, aber nun dort die Chance erhält, den Abstieg wieder auszubügeln. Dafür wurden auch in Düsseldorf erneut tonnenweise zentrale Mittelfeldspieler geholt, unter anderem die genannten drei Ex-Preußen. Es dürfte also relativ überschaubar überraschend sein, welcher Fußball demnächst in der Landeshauptstadt zelebriert wird.
Und doch ist insbesondere der Abgang von Ex-Kapitän Hendrix eine Enttäuschung. Dabei geht es gar nicht um das „ob“, sondern um das „wie“. Eine dämliche rote Karte im entscheidenden Spiel gegen Darmstadt, danach nix mehr. Keine Worte zum Abschied, einfach weg. Die Nähe von Düsseldorf zu seiner Heimat und damit auch Familie ist nachvollziehbar, mit Sicherheit wird Fortuna auch das ein oder andere Scheinchen mehr bezahlen (und hat gleichzeitig nahezu 70 Mitarbeiter entlassen, aber das nur am Rande), alles verständlich. Als Kapitän ist so ein Weg einfach nur enttäuschend, zeigt aber auch sicherlich einen der Gründe für den Abstieg auf. In schwierigen Momenten war niemand da, der der voran gegangen ist oder den Rest mitzog. Der Abschied von Marc Lorenz, der sich in schwierigen Momenten immer gestellt hat, wog scheinbar doch schwerer, als man dachte. Denn fußballerisch musste diese Mannschaft nicht absteigen, die Probleme lagen woanders. Man kann nur hoffen, dass die Kaderplaner in dieser Saison aus den Fehlern gelernt haben.
Die Neuzugänge
Wer jetzt nach dem Abstieg dachte, der SCP schaltet in den Attacke-Modus und wird den ein oder anderen Kracher (zumindest von der bisherigen Vita) an Land ziehen, sah sich bitter getäuscht. Aus der 2. Bundesliga nahm lediglich die neueste Verpflichtung Felix Higl ebenfalls den Weg in die 3. Liga. Mit Ryan Johansson und Lucas Zeller kamen zudem lediglich zwei Profis, die letzte Saison in der 3. Liga unterwegs waren, wobei Innenverteidiger Zeller Teil der 87-Gegentore-Abwehr vom FC Schweinfurt war. Ansonsten kamen alle Spieler aus der Regionalliga, darunter Tim Dietrich (Schalke II), Mika Stuhlmacher (Meppen), Matthias Harsman (Rödinghausen), Louis Kolbe (Sandhausen), Montell Ndikom (Hannover 96 II) und per Leihe Wesley Adeh (Bremen II). Auch beim SCP kehrten Marvin Schulz junior, Jakob Korte und Leon Tasov von ihren Leihen zurück. Aus der Oberliga-Mannschaft wurden zudem Mikail Demirhan und Niklas Varelmann hochgezogen, Paul Ervens gar direkt aus der U19. Ervens wird jedoch höchstwahrscheinlich weiter Spielpraxis in der U23 sammeln.
Alles in allem konnte man als Preußen-Anhänger schon neidisch auf die Konkurrenz schauen, die den ein oder anderen Hochkaräter an Land zog. Was man jedoch fairerweise dazu sagen muss: Bei Fortuna Düsseldorf beispielsweise blieben mit Egouli, Zimmermann, Oberdorf und Paulina lediglich vier Spieler des 2. Liga-Kaders. Die Preußen schafften es sogar eine ganze Achse zu halten: Die Torhüter und Schenk und Behrens, die Innenverteidigung um Scherder, Koulis, Paetow und Tikvic. Im Zentrum blieben Sertdemir, Preißinger und Schulz. Die Außenbahnen werden weiterhin von Bolay und Makridis bearbeitet, weiter vorne zieht weiterhin Joshua Mees seine Kreise. An vorderster Front hofft man, dass Oscar Vilhelmsson und Malik Batmaz eine gesundheitlich bessere Saison spielen, als zuletzt. Viele davon, beispielsweise Koulis, Preißinger, Schulz und Mees wären bei sämtlichen 3. Liga Vereinen Krachertransfers gewesen. Die drei Erstgenannten verlängerten ihre Verträge sogar, Mees hatte ein gültiges Arbeitspapier und deutete auch keine Wechselabsichten an.
Insofern mag das Transferfenster bis dato an sich eher enttäuschend verlaufen sein, doch der Kader bringt schon Qualität mit. Dennoch gilt generell das Prinzip Hoffnung, denn nur wenige Akteure kennen die 3. Liga wirklich. Man hat sicherlich ein paar „Haudegen“, die eine gute Portion 3. Liga Erfahrung mitbringen, aber meisten Regionalliga-Neuzugängen können diese eben nicht aufweisen. Auch Akteure wie Babis Makridis, Joshua Mees oder Marvin Schulz kennen die Liga nur aus Magenta-Übertragungen.
Der neue Trainer und das Spielsystem
Thomas Wörle versteht den Fußball grundsätzlich anders, als sein Vorgänger Alexander Ende. Alois Schwartz als Feuerwehrmann sei hier mal ausgeklammert. Während Ende Ballbesitzfußball zelebrieren lassen möchte und dabei nahezu stur auf seine Raute durchs Zentrum setzt, gilt Wörle als viel flexibler. Grundsätzlich hat er auch in der Vorbereitung das 3-4-3 bzw. 3-4-2-1 aus Ulm spielen lassen, in diesem System bieten sich jedoch andere Möglichkeiten, als in der starren Raute. Die verwaisten Außenbahnen im Stadion dürften nun der Vergangenheit angehören, ebenso wie das Laufen ins offene Messer bzw. einen Konter nach Ballverlust. Wörle ist ein akribischer Arbeiter, setzt auf eingespielte Abläufe aber vor allem auf hohe Disziplin beim Verteidigen.
Das Pokalspiel gegen Hertha BSC im vergangenen Sommer mag das vielleicht fußballerisch beste Spiel der letzten 10-15 Jahre gewesen sein, am Ende stand man jedoch mit leeren Händen da. Der neue Preußen-Trainer setzt dagegen auf eine kompakte Defensive, im Anschluss soll das Spiel vor allem über die Außenpositionen breit gemacht werden, während sich die Zehner hinter dem Stürmer in den Halbräumen anbieten, um im Anschluss durch die Mitte zum Abschluss zu gelangen. Klingt so natürlich simpel, ist es aber natürlich nicht, weil auch noch elf andere Akteure auf der anderen Seite mitspielen. Man darf jedoch berechtigte Hoffnung haben, dass man in dieser Saison unter den fast 1,8 Gegentoren pro Spiel bleibt.
Torhüter:
Im Tor bleibt es bei der Hängepartie um Johannes Schenk, wie schon den gesamten Sommer. Schenk soll mit der 2. Bundesliga liebäugeln, wirklich konkret wurde es jedoch bislang nicht. Andersrum wäre er wohl auch mit einem Verbleib in Münster vollkommen fein. Sicher ist nur: Schenk hat in der Vorbereitung bislang keine Sekunde gespielt. Morten Behrens, der minimal beim Spiel gegen Wiesbaden in der Startelf stehen wird, Matthis Harsman sowie Paul Ervens teilten sich bislang die Spielzeit in der Vorbereitung. Derzeit ist es für alle eine unbefriedigende Situation in puncto Ungewissheit, doch sowohl Schenk, als auch der Verein agieren hier komplett professionell.
Es bleibt abzuwarten, ob sich noch eine Chance für Preußens Nummer eins ergibt ansonsten dürfte nach Ende des Transferfensters das Rennen um den Stammplatz noch einmal neu eröffnet werden. Matthis Harsman ist mit der klaren Prämisse als Nummer drei verpflichtet worden, Jungtorwart Paul Ervens hingegen dürfte die Zukunft gehören.
Innenverteidigung:
Drei aus Sechs lautet die Formel hier. Qualitativ und quantitativ dürfte dies die stärkste Position im Kader sein und – wenn man sich weit aus dem Fenster lehnen möchte – sogar vielleicht in der gesamten Liga. Wie oben bereits erwähnt, verlängerte Niko Koulis seinen Vertrag, mit Simon Scherder, Torge Paetow und Antonio Tikvic hatten drei Akteure noch gültige Verträge für die 3. Liga. Insbesondere Tikvic dürfte nach seinem verlorenen Jahr darauf brennen, nun endlich mal eine vollständige Saison als Stammspieler zu agieren. Im Test gegen Hannover handelte er sich eine überflüssige rote Karte ein, ansonsten konnte man jedoch insbesondere im Spielaufbau erkennen, warum man im vergangenen Sommer eine hohe Ablöse (Nein, keine 600.000/700.000 €) für ihn hinblätterte.
Ebenfalls nach einem Kreuzbandriss kehrt Simon Scherder zurück und nach all den Jahren dürfte bekannt sein, dass er es irgendwann sowieso wieder schafft sich in die Startelf zurück zu kämpfen. Simon Scherder halt. Niko Koulis dürfte neben Joshua Mees hoher Anwärter auf das Kapitänsamt sein, auch er war unter Ende außen vor nach einer roten Karte am ersten Spieltag und erst unter Alois Schwartz wieder regelmäßig spielen durfte. Als Herausforderer hinzugekommen sind Lucas Zeller aus Schweinfurt und Tim Dietrich von Schalke II. Insbesondere Dietrich wirkte in den Testspielen schon sehr lautstark und bringt trotz seiner erst 23 Jahre den Anspruch mit als Führungsspieler aufzutreten. Eine Rolle, die er auch schon in der Schalker Zweitvertretung inne hatte.
Schienenspieler:
Der Abschied von Eigengewächs Jano ter Horst wiegt schwer. Mit seiner Dynamik, Schnelligkeit und Aggressivität war das Eigengewächs dort in den vergangenen drei Jahren eine absolute Konstante. Nachfolger ist Louis Kolbe aus Sandhausen. Der ehemalige U19-Nationalspieler bringt insbesondere auf den ersten Metern einen unglaublich starken Antritt mit sich und wie sich anhand seiner Scorerwerte (4 Tore/7 Vorlagen) ablesen lässt, einen ordentlichen Offensivdrang. Wie er die 3. Liga adaptiert, wird sich zeigen. Dahinter könnte Leon Tasov das Back-Up bilden, wobei auch Babis Makridis beide Seiten bespielen kann.
Hier bleibt zu hoffen, dass er seine defensiven Defizite in Liga 3 durch seine hervorragende Technik besser ausgleichen kann. Da Luca Bolay die gesamte Vorbereitung, wie schon die gesamte Rückrunde, verletzt ausfiel, dürften Makridis‘ Dienste jedoch erst einmal auf links benötigt werden. Hier wartet jedoch mit Niklas Varelmann ein hoch interessantes Eigengewächs, das in der Vorbereitung auch schon Spuren hinterlassen konnte. Auch er bringt mit über 1,90 m Gardemaß mit und kann vor allem mit Tempo auf Langstrecke punkten.
Mittelfeld:
Im Mittelfeld hatte man sich schon von Marvin Schulz und Rico Preißinger mehr oder weniger verabschiedet. Doch dann kam die Kehrtwende und beide verlängerten ihre Verträge. Wie bereits erwähnt: In anderen Vereinen wären das richtige Top-Transfers gewesen. Preißinger ist für eine Mannschaft von unschätzbarem Wert, liefert immer und stellt sich immer in ihren Dienst.
Ein Teamplayer durch und durch, gerade in dieser Saison dürfte er noch mehr Verantwortung übernehmen. Was einen hoffen lässt: Preißinger ist bereits abgestiegen, verließ die Vereine dort weil das Drumherum zu negativ war jeweils. Bei Preußen hat er verlängert und sieht seine Ansprüche auf einer Wellenlänge mit dem Verein. Und dann wäre noch Marvin Schulz. Nach dem besiegelten Abstieg war er einer der Akteure, der vor der Kamera bei Sky unter Tränen Rede und Antwort stand. Dass Preußen ihm nach nur einem Jahr dermaßen ans Herz gewachsen ist, zeigte der Mittelfeldspieler dann im Anschluss mit seiner Vertragsverlängerung. Grüße an dieser Stelle an den Ex-Kapitän.
Auch wenn Schulz die Vorbereitung ausfiel, mittelfristig dürften diese beiden das Herzstück der Adlerelf bilden. Doch ausruhen kann sich keiner von beiden, da hinter ihnen gleich drei hoffnungsvolle Talente mit den Hufen scharren. Jakob Korte kehrte nach einer guten Leihe aus Gütersloh zurück und brennt darauf nun auch in Liga 3 sein Können unter Beweis zu stellen. Zudem nutzte man den kurzen Draht zu Peter Niemeyer und lieh Wesley Adeh aus Bremen aus. Der 19-jährige konnte in der Vorbereitung einige Pluspunkte sammeln und dürfte sogar Kandidat für die Startelf sein, solange Schulz noch nicht bei 100% ist. Dann wäre da noch Zidan Sertdemir, der ein durchwachsenes erstes Jahr mit dem Adler auf der Brust hinter sich hat.
Zwischen Startelf und Tribüne war alles dabei, auch ihm könnte ein Neustart ein Stockwerk tiefer gut tun. Doch in der Vorbereitung wurde er zwischen der Rolle im zentralen Mittelfeld und als Zehner im Halbraum hin- und hergeschoben. Im Wörle-System hat er seinen Platz noch nicht endgültig gefunden, seine Anlagen sind jedoch so gut, dass man eigentlich nur schwer auf sie verzichten mag. Es bleibt spannend, wie und wo der 21-jährige Däne seine Position findet.
Angriffsreihe:
In der Angriffsreihe hat Wörle insbesondere bei den Halbpositionen die Qual der Wahl. Ähnlich wie Sertdemir wurde Neuzugang Ryan Johansson auf verschiedenen Positionen getestet. Mit ihm hat der SCP einen absoluten Alleskönner verpflichtet. Sowohl auf der Schiene, als auch in den Zehner-Halbräumen, ja sogar im zentralen Mittelfeld kann Johansson ohne sichtbaren Qualitätsverlust agieren. Bei Wiesbaden war er mehr oder weniger gesetzt, doch für seine technischen Möglichkeiten sind neun Scorerpunkte in über 60 Spielen noch ausbaufähig.
Dennoch hat der SCP hier einen Spieler verpflichtet, der auch in Münster sicher in der Startelf stehen dürfte zu Saisonbeginn, wenn es direkt zu seinen Ex-Verein geht. Auf der anderen Seite hat Joshua Mees die Nase vorne, auch er dürfte in der 3. Liga unter die Kategorie Unterschiedsspieler fallen – sofern er denn fit bleibt. Nach einer wahren Seuchensaison, konnte er die Vorbereitung komplett absolvieren und lief phasenweise sogar mit der Binde auf. Dahinter haben die Preußen zwei Mal in der Regionalliga Nord zugeschlagen. Montell Ndikom kam aus Hannover, zeigte sich agil und beweglich, aber auch hier darf der Output gerne noch effektiver werden.
Mit Mika Stuhlmacher hat man schon frühzeitig und noch bevor Wörle als Trainer verkündet wurde einen spannenden Spieler unter Vertrag genommen, der auch bei Klassenerhalt im Bundesliga-Unterhaus gekommen wäre. Mit seiner schlaksigen Statur (1,97 m) erinnert der Blondschopf an die Spielweise von DFB-Stürmer Nick Woltemade, der ebenfalls in der 3. Liga in Elversberg seine ersten Spuren im Seniorenfußball hinterließ. Eine spannende Personalie, denn in der Vorbereitung deutete er auch schon an, dass hier eine Menge Potential steckt. Doch erneut: Auch hier fehlt die Erfahrung, insofern muss man ihm Zeit geben.
Aus dem eigenen Nachwuchs und nach Leihe nach Sandhausen sind Mikail Demirhan und Marvin Schulz junior Teil des Profikaders. Demirhan durfte immerhin beim bedeutungslosen Spiel in Elversberg erste Profi-Minuten schnuppern und hat sich den Profi-Vertrag mit starken Leistungen in der U23 verdient. Schulz schoss in der Hinrunde die Oberliga Westfalen auseinander, die Leihe nach Sandhausen verlief jedoch eher holprig, was nicht zuletzt an einer Schulterverletzung zu Beginn lag. Dennoch konnte er sich auch schon zeigen und steuerte im Testspiel gegen Emden (5:1) zwei Vorlagen und ein Tor bei.
Da Schulz jedoch mehr als zentraler Stürmer agiert, ist die Konkurrenz groß. Oder auch nicht? Das wird sich zeigen. Preußens neuer „Ankerspieler“ an vorderster Front heißt Felix Higl. Nach einer Saison, wo er in Fürth nur zu Kurzeinsätzen kam, zieht es ihn nun zurück zu seinem Ex-Coach Thomas Wörle, unter dem er seine bislang erfolgreichste Zeit hatte. Higl ist nicht unbedingt als klassischer Knipser bekannt, sondern eher dafür für die Mannschaft zu ackern. Sei es den Ball mit dem Rücken zum Tor abzuschirmen und weiterzuleiten oder aber bei der Arbeit gegen den Ball immer ans Limit zu gehen. Hinter (oder vor?) Higl sind dann die zwei großen Unbekannten:
Oscar Vilhelmsson dürfte sowohl der, von den Anlagen her, talentierteste Stürmer sein, den ich in 24 Jahren beim SCP live gesehen habe und gleichzeitig auch das größte „What-if“? Was wäre, wenn sein Körper mitspielen würde? Gut, dann würde er nicht bei Preußen Münster spielen sondern dürfte mit seiner (Jugend-)Vita eher beim Saisoneröffnungsgegner Southampton anzusiedeln sein. Die dauernden muskulären Probleme sind der Hauptgrund dafür, dass Vilhelmsson nie in den Rhythmus findet und somit auch nie vollends eingeplant werden kann. Ein ähnliches Fragezeichen ist hinter Malik Batmaz. Der Aufstiegsheld 2024 (17 Tore) kämpft sich derzeit nach seinem zweiten Kreuzbandriss zurück.
Allzu viel darf man hier in der Hinrunde nicht erwarten, dennoch hofft man natürlich auf die Rückkehr seiner Form vor 2-3 Jahren. Preußen verlängerte kurz nach der schweren Verletzung seinen Vertrag. Natürlich hat man damit einen Kaderplatz blockiert, doch es ist schön zu sehen, dass der Verein, den wir alle lieben, einen Spieler wie Batmaz (selbes galt übrigens bei Simon Scherder) nicht fallen lässt.
Fazit:
Die neue Preußen-Mannschaft hat definitiv an Größe gewonnen, nach WN-Recherchen stellt man sogar nach Stuttgart II die zweitgrößte Mannschaft der Liga. Dennoch fehlt noch ein Puzzleteil, das schon in der vergangenen Saison nicht existent war: Wenn man den Strafraum mit mehreren Recken über 1,90 m besetzt, wäre ein Spezialist für Standardsituationen nicht verkehrt. Ob Torge Paetow die Gegner weiter mit seinen Einwürfen terrorisieren darf, bleibt unter Wörle abzuwarten, aber jemand, der die Bälle Lorenz-like vors Tor bringt, hat sich auch in der Vorbereitung nicht herauskristallisiert. Schulz wäre zumindest ein Kandidat, ist jedoch aber noch nicht vollends fit.
Darüber hinaus zeigte sich auch, dass die Preußen sich in der Vorbereitung wieder munter Chancen herausspielen, diese jedoch sehr oft ungenutzt blieben. Hier handelt es sich um zwei große Probleme, die definitiv ursächlich für den Abstieg waren. Mit Joshua Mees in Top-Form wie in der ersten 2.Liga-Saison könnte man zumindest die fehlende Torgefahr aus dem Mittelfeld kaschieren, dennoch wirkt das Ganze noch etwas unausgewogen. Auch auf der Position des linken Schienenspielers hat man erneut mit Makridis jemanden eingeplant, der seine Stärken eher in der Offensive hat. Grundsätzlich wurde der Kader öfters nach dem Prinzip Hoffnung aufgebaut: Die Hoffnung, dass Spieler, die vergangene Saison viel verletzt waren (Vilhelmsson, Mees, Schulz), nun auf mehr Einsätze kommen. Die Hoffnung, dass talentierte Regionalliga-Spieler die 3. Liga sofort adaptieren und performen. Die Hoffnung, dass sich diese Mannschaft sehr schnell als Kollektiv findet. Wofür das reicht? Keine Ahnung, dafür benötigt es eine Glaskugel. Klar ist aber, dass dies hier einerseits hochgradig spannend ist, weswegen man sicher auch einen Trainer wie Thomas Wörle überzeugen konnte. Auf der anderen Seite ist es aber auch riskant mit einer Mannschaft mit überschaubar viel 3. Liga Erfahrung und vielen verletzungsanfälligen Spielern ins Rennen zu gehen.
Sollte es nach hinten los gehen, müssen sich die Verantwortlichen definitiv hinterfragen, denn es wäre die dritte Transferphase in Folge, die dann mehr oder weniger für die Katz wäre. Im vergangenen Sommer ließ man sich, ähnlich wie Düsseldorf nun, vollends auf das System Ende ein. Im Winter war es mehr oder weniger Aktionismus, die Raschl-Verpflichtung beispielsweise erklärt sich bis heute kaum jemandem. Dazu fehlt auch ein wenig an Kreativität bei den Transfers. Insbesondere Uphues hatte in seiner Kieler Zeit durchaus mal Überraschungen aus Skandinavien oder Ost-Europa in Petto. Yamada war bislang die einzig spannende Personalie, die wirklich außergewöhnlich war und hat (wenn auch spät) gut funktioniert. Jener Yamada spielt nun die kommende Saison (erneut auf Leihbasis) mit Henok Teklab in Leuven zusammen. Ein gelegentlicher Blick nach Belgien lohnt sicherlich.
Was bleibt ansonsten zu sagen? Der SCP hat mit Sicherheit in der 2. Liga gutes Geld verdient. Der SCP hat die teuersten Tickets der Liga und nun mit der neuen Osttribüne erheblich mehr Kapazität, auch wenn die monetär relevanten Logenplätze auf der Gegengerade noch fehlen. Der SCP verkauft ein Sondertrikot – ob man es mag oder nicht sei dahin gestellt – für knapp 100 €. Man hat also bereits vor Saisonbeginn schon einiges an Kohle gelassen, dafür hätte man sich zumindest 1-2 Neuverpflichtungen aus etwas höheren Regalen gewünscht. Telalovic, der nach Essen ging, und unter Wörle in Ulm herausragend performte, wäre so ein Name gewesen. Besuschkow oder Christensen nach Duisburg, Dajaku nach Rostock. Etwas in dieser Kante und Klasse halt. So bleibt nämlich auch bei den Fans das Prinzip Hoffnung: Die Hoffnung, dass die Defensive – das augenscheinliche Prunkstück – dermaßen gut funktioniert und dafür sorgt, dass man im Sommer 2027 von einer erfolgreichen Saison sprechen kann.
Was Erfolg heißt?
Das muss jeder für sich ausmachen. Aber beim Erzrivalen aus Osnabrück reichten die gerade mal 34 Gegentore letzte Saison zum Aufstieg. Davon bin ich persönlich gedanklich sehr, sehr weit entfernt aber ich würde, wie eingangs erwähnt, mit Freude hier in zehn Monaten sitzen und Abbitte für diese kritischen Zeilen leisten.











Gut analysiert. Wir können halt nur abwarten wie sich die Mannschaft entwickelt. Nach dem Motto Liebe Glaube Hoffnung