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Kölscher KO kurz vor Schluss – Viktoria Köln ringt Preußen nieder

Vier Tage ist es her, dass im Preußenstadion der SSV Buer zu Gast war. Gestern hieß die Aufgabe Viktoria Köln und war im kölschen Sportpark Höhenberg zu bestreiten. Das erste Sonntagabend-Ligaspiel der Saison stand an. Das sollte unsere Fans aber nicht von einem starken Support abhalten. Der Auswärtsblock war prall gefüllt und im TV ausschließlich zu hören.
Never change a (running) System
So oder so ähnlich lautet anscheinend das Motto von Wörle bei der Aufstellung. Einen Wechsel gab es in der Startaufstellung. Niklas Varelmann durfte sein wohlverdientes Debüt in der dritten Liga feiern. Montell „Monti“ Ndikom musste dafür auf der Bank Platz nehmen. Makridis rutschte durch diesen taktischen Wechsel in das Angriffsdrittel, während Varelmann die linke Schiene gehörte.
Ansonsten war es die gleiche Elf, die bereits gegen Karlsruhe im DFB-Pokal auf dem Feld stand. Fraglich ist jedoch, wieso ein Marvin Schulz oder Mikail Demirhan erst spät oder gar nicht zum Zug kamen. Bei einem Vierer- und Dreierpack kann man ja eigentlich nur Pluspunkte sammeln, das sieht Wörle aber anscheinend anders.
Die Startelf sah dementsprechend wie folgt aus: Behrens – Tikvic, Koulis (C), Zeller – Varelmann, Preißinger, Adeh, Kolbe – Johansson, Higl, Makridis.
Wilder Start
Gleich nach knapp 45 Sekunden greift der japanische Schiedsrichter Ryo Tanimoto zur gelben Karte, nachdem Zeller ein Zuspiel von Koulis überaus schlampig verarbeitet und den Ball an einen Kölner verliert. Um den Angriff zu unterbinden, zieht er das taktische Foul und sieht den gelben Karton. Auch in den nächsten Minuten schleichen sich immer wieder Fehler im Spielaufbau und Momente der Unkonzentriertheit ein.
In Minute sechs ist es dann Niklas Castelle, der nach einer frühen Balleroberung von David Otto halbrechts in den Sechzehner geschickt wird und dann eiskalt ins lange, linke Eck vollendet. Das war die Quittung für die vorangehenden Minuten.
Unsere Jungs versuchen, sich irgendwie in Richtung des Tors vorzuarbeiten, scheitern dabei aber kläglich. Kaum ein Zuspiel kommt genau und die Ballannahmen sind oft zu schwach. So wird das nix mit dem Toreschießen.
Dann ist es genau andersherum. Jetzt bedient Castelle Otto von links per halbhoher Flanke, der nur noch den Fuß hinhält und auf 2:0 stellt. Und auf einmal steht es hier nach 20 Minuten doch 2:1. Etwas Kuddelmuddel mit Johansson an der Kölner Strafraumkante und am Ende ist es Higl, der einen abprallenden Ball super trifft und ins lange Eck vollendet. Keine Chance für Keeper Arne Schulz.
Nach diesem Anschlusstreffer erhöhen die Wörle-Jungs merklich die Intensität und den Druck auf die Gegner, aber der Output ist gleich null. Hingegen muss man mehrmals aufpassen, nicht früh einem weiteren Zwei-Tore-Rückstand hinterherzulaufen.
Kurz vor der Pause passiert das, was sich vorher mehrmals angekündigt hat. Eine Flanke aus dem Halbfeld wird gefährlich, weil Koulis und Zeller im Strafraum die Flanke als ungefährlich einschätzen und David Otto übersehen oder ignorieren. Es bleibt Interpretationsspielraum. Die Flanke von Eisenhuth landet genau auf dem Schädel von Otto, der dann komplett unbedrängt und platziert den Ball über die Linie drückt. Otto stellt damit auf 3:1 und war an jedem Treffer bis dahin beteiligt. Behrens war dieses Mal chancenlos.
Endlich ist dann auch kurz später Pause. Das ist heute viel zu wenig. Offensiv ist kaum Bewegung drin, alles wirkt zu statisch und ideenlos. Defensiv ist es oft fahrig und hochgradig unkonzentriert. Insgesamt viel zu passiv. Wenn man alles ins Passiva bucht, wird man auf kein adäquates Ergebnis kommen, so oder so ähnlich lernt man das in der Buchführung. Für mindestens einen Punkt brauchte es also noch ein paar Aktiva-Buchungen, ansonsten wird das nichts mit einer ausgeglichenen Bilanz. Da hatte Wörle auf jeden Fall viel Gesprächsbedarf für die Pause.
Verwaltung kann man in Köln
Nach Wiederbeginn der zweiten Hälfte passiert recht wenig und plötzlich hat die Viktoria unseren Preußen schon eine Viertelstunde weggemogelt. Genau jetzt wechselt Wörle das erste Mal außerhalb der Pause, wo er Paetow für Zeller brachte. Und zwar gingen Varelmann, der gestern wahrscheinlich der beste Preuße war, und Adeh für Althaus und Ndikom. Aber auch die beiden bewirkten kein wirkliches Aufwachen unserer Mannschaft.
Die Kölner werden immer wieder gefährlich in der Nähe unseres Sechzehners, wurden aber meist durch Koulis oder das Schiedsrichtergespann gestoppt.
Erst in der 75. Minute wurde es von unserer Mannschaft wirklich drückend vorne. Denn in dieser Minute wechselte man Marvin Schulz II. und Leon Tasov ein und das für Ryan Johansson und Rico Preißinger, was zu einem insgesamten Taktikwechsel führte. Man lief jetzt mit Tasov, Schulz, Ndikom und Higl in erster Linie an, dahinter hielten Althaus und Paetow die Stellung. Für die Defensive waren Makridis, Tikvic, Koulis und Kolbe verantwortlich.
Man versuchte jetzt sichtlich, den Druck auf die kölsche Defensive zu erhöhen. Das klappte auch soweit, aber die ließen sich wenig davon beeindrucken.
In Minute 77 zappelt der Ball im Netz, aber das Tor zählt nicht. Knapp vor dem Strafraum wird Eisenhuth gefoult, der Schiri pfeift, aber Maboulou haut den Ball mit voller Wucht ins lange Eck. Die Kölner reklamieren sofort, aber der Schiri hatte klar vorher gepfiffen, auch wenn man in dem Moment den Vorteil hätte laufen lassen können. Der daraus resultierende Freistoß ging in die Mauer.
Auch in den letzten Minuten dieses Spiels ließen die Kölner kaum etwas zu. Zwar passieren ihnen immer wieder Flüchtigkeitsfehler im Spielaufbau. Die werden aber so konsequent nicht genutzt von unseren Jungs, dass man das schon als Stärke im Lebenslauf hinterlegen könnte.
In Minute 83 ein kurzer Hoffnungsschimmer auf die Aufholjagd. Makridis erhält den Ball an der linken Seitenlinie und zieht dann Richtung Mitte, hält drauf und wird fast belohnt. Arne Schulz muss sich sehr dolle strecken, um den noch daraus zu kratzen.
Maboulou soll natürlich trotzdem noch sein wohlverdientes Tor gutgeschrieben bekommen. Somit kommt es in der 89. dann halt auch so, wie es kommen musste … Otto wird von Wolf in die Tiefe geschickt, dieser umkurvt Behrens und legt kurz vor der Grundlinie quer und Maboulou schiebt ein. Der musste in seiner Karriere auch schon schwerere Dinger machen als den.
Wenig später ist es dann auch vorbei. Endlich.
Wo bleibt die Lernkurve?
Dieses Spiel war von Minute eins aus wirklich ein totaler Krampf. Da war gar nichts: kein Wille, keine Konzentration, kein Durchsetzungsvermögen. Nur so flapsige Aktionen, die natürlich eiskalt bestraft werden. Das hätte man aus Zweitligajahren wissen müssen.
Kaum ein Spieler hat gestern eine Leistung gezeigt, die drittligawürdig ist.
Louis Kolbe, Niklas Varelmann, Ryan Johansson, Montell Ndikom und Samuel Althaus. Diese Spieler haben es gestern wenigstens gewollt und versucht. Alle anderen Spieler waren ein Totalausfall, insbesondere die Dreierreihe plus Behrens, die Mittelfeldachse um Preißinger und Adeh und Higl.
Zwar hat Higl ein Tor gemacht, aber trotzdem so einen Müll zusammenzuspielen und das in jedem Spiel, das er bisher für uns gespielt hat, ist wirklich bemerkenswert.
Ohne diesen Wiesbaden-Auswärtssieg sähe die Welt ganz anders aus. Wir wären Vorletzter und das würde den Leistungen mehr entsprechen als der aktuelle 12. Tabellenplatz.
Spieler wie Varelmann, Schulz II. und Demirhan haben sich zeigen dürfen und geliefert. Higl und Makridis, hier nur beispielsweise, zeigen Woche für Woche dieselbe Grütze und dürfen trotzdem jede Woche starten. Das ist kein Leistungsprinzip, das sind Lieblinge.
Gegen Havelse will ich Veränderungen sehen, und zwar richtige.
Im Tor kann man gerne Behrens weiter die Chance geben. Wenn das mit ihm aber auch so weitergeht, wäre ich auch bereit, Harsmann oder Ervens die Chance zu geben.
Die Viererreihe davor sollte meiner Meinung nach wie folgt aussehen: Varelmann, Tikvic, Koulis, Kolbe.
Die Zentrale muss umgedacht werden. Preißinger und Adeh ist ein Himmelfahrtskommando. Althaus sah in der halben Stunde, in der er gespielt hatte, wirklich ordentlich aus. Dementsprechend würde ich ihm einen Platz geben.
Als defensiv denkenden Sechser würde ich Paetow in den Raum schmeißen, der seine Sache immer gut gemacht hat. Den anderen, offensiveren Part würde ich erstmal an Johansson oder Adeh vergeben, wobei man dann hier auf den jeweiligen Gegner reagieren kann und sollte.
In der Offensive gibt es keine zwei Meinungen. Es müssen Demirhan oder Makridis, Ndikom und Schulz II. sein. Das ist unverhandelbar.
Klar sind das erstmal überwiegend die jungen Wilden. Da die alten, erfahrenen Spieler es aber auch nicht auf die Kette kriegen, kann es ja nicht viel schlimmer werden.
Der Support an einem Sonntagabend um 19:30 Uhr in Köln war hervorragend und gehört nochmal gesondert hervorgehoben. Danke an alle, die da waren und ordentlich Alarm gemacht haben.
Nochmal ein paar abschließende Worte zum Schiedsrichter. Wir hatten in dem gestrigen Spiel einen japanischen Schiedsrichter, Ryo Tanimoto, welcher aus dem Schiedsrichterprogramm des DFBs nach Deutschland kam. Es ist eine Art Schüleraustausch für Schiedsrichter.
Die gestrige Schiedsrichterleistung hat nur leider nicht wirklich dem Anspruch entsprochen. Es wirkte wie als hätte er kein Fingerspitzengefühl gehabt. Oft wurde direkt die gelbe Karte ausgehändigt anstatt das Gespräch zu suchen. Das kann aber natürlich durchaus an einer möglichen Sprachbarriere liegen. Außerdem war er wirklich sehr penibel und hat wenig Aktionen laufen lassen oder durchgehen lassen, was in der 3. Liga eigentlich schon eher die Marschrichtung ist.
Stimmen aus der Redaktion
Malte:
„Mich hat aufgeregt, dass ich mit dem Gefühl rausgegangen bin, dass nicht alles gegeben wurde, dass man sich klaglos und kampflos seinem Schicksal ergeben hat.
Was wurde in der Halbzeit diskutiert? Wie kann ich so blutleer rauskommen? Auch in der Schlussphase kein Aufbäumen.“
Michael:
„Da fehlte es gestern aber in allen Mannschaftsteilen und, das fand ich sehr bedenklich, an der Einstellung.“
Was ist die größte Baustelle, die bis morgen noch geschlossen werden muss?
„Stürmer und zentrales Mittelfeld, da kommt ja nix nach vorne, wird ja aber wohl nur noch einen fürs Mittelfeld geben …“ – Malte
„Preißinger und Adeh sind zwar solide, aber alles, nur keine Kreativ-Spieler. Und der Sturm …“ – Michael
Was kommt als Nächstes?
Als Nächstes erwarten wir den TSV Havelse in unserem Zuhause. Der eigentliche Absteiger ist aufgrund des Lizenzentzugs von 1860 München in der Liga geblieben und hat diesen Sommer gute Arbeit geleistet. Viele vielversprechende Transfers wurden getätigt und am gestrigen Sonntag der erste Dreier der Saison gegen Waldhof Mannheim mit einem 3:2 eingefahren.
Die Niedersachsen dürften also mit jeder Menge Selbstbewusstsein in unsere westfälische Heimat kommen. Einfach wird die Aufgabe also ganz und gar nicht. Wir dürfen gespannt bleiben, ob wir noch mit einem weiteren Neuzugang beschert werden und ob sich die Herrschaften am Samstag gegen Havelse mal zu einer halbwegs anständigen Leistung verleiten lassen können.
Alle zusammen für Preußen Münster!










