Die Zahl „ZWEI“. In der Schule durchaus begehrt, beim Aufstieg aus der Regionalliga eher der Worst Case (Übrigens: Kompassmodell jetzt umsetzen!). Beim Gastspiel des ruhmreichen SC Preußen in Baden-Württemberg war diese Zahl vor allem eines: Ziemlich entscheidend. Und da ist die Geschichte mit dem 2:1-Endergebnis für die Adlerträger noch nicht zu Ende erzählt. Also nehmen wir uns die entscheidenden Zweien an diesem Sonntagnachmittag vor.
Zwei, die Erste: Der Gegner
Es ist noch gar nicht solange her, da spielte der SC Preußen gegen die Erste Mannschaft des VfB im DFB-Pokal. 0:5 hieß es im August 2024. Doch jetzt war es eben die zweite Mannschaft. Beim letzten Aufeinandertreffen hatten die Stuttgarter Bubis für eine Trainerentlassung auf Seiten der Preußen gesorgt. Im Dezember 2015 verloren die Preußen ziemlich trostlos mit 1:2 im heimischen Rund und suchten sich danach einen Nachfolger für Ralf Loose. Horst Steffen übernahm.
Im Hier und Jetzt ist die U-Mannschaft der Schwaben vor allem eines: Der Inbegriff einer zweiten Mannschaft. Junge, fast bundesligareife Talente gepaart mit erfahrenen „Drittliga-Drecksäcken“, die den Laden zusammenhalten. Zur letzteren Kategorie zählt unter anderem Nicolas Sessa, der zudem noch ein richtig guter Zocker ist und entsprechend am Sonntag der Dreh- und Angelpunkt im Spiel des Brustrings war.
Zwei, die Zweite: Das Stadion
Ja, die kleine Arena in Aspach erfüllt alle Regularien des DFB und darf sich entsprechend Drittliga-Stadion nennen. Aber meine Güte: Atmosphärisch ist das maximal Zweite Wahl. Und aufgrund der Entfernung zu Stuttgart machen sich natürlich kaum Unterstützer des VfB auf den Weg. So kommt am Ende irgendwie Westfalen-Pokal-Feeling auf: Ab und an ist das ganz cool, aber gleich zwei Mal pro Saison? Eine Alternative ist aufgrund der beengten Verhältnisse in Stuttgart leider nicht in Sicht. Das Neckarstadion ist zu groß, die Waldau ausgelastet.
Die Fans des SCP machten übrigens das Beste draus: Zwei Schwarz-Grüne Stoffbahnen sorgten für einen südamerikanischen Look und ein kompaktes Blockbild. Und selbst nach dem Rückstand wurde im Block weiter Alarm gemacht und Stimmung verbreitet. Für manchen im Block dürfte das sicher eine „Rückkehr“ zu den coolen Auswärtstouren in der Regionalliga gewesen sein. Nur halt mit deutlich längerer Anfahrt.
Zwei, die Dritte: Marvin Schulz II
Kommen wir zum Elefanten im Raum. Zugegeben, Marvin Schulz fällt in der Reihe der vielen langen Preußen-Kerle im aktuellen Kader eher nicht als Riese auf. Dafür bringt er derzeit eine Gier und eine Quirligkeit mit, die in dieser Saison noch manche Abwehr ins Schwitzen bringen kann. Zwei Mal war MS2 genau dort, wo er sein musste. Beim 1:1 erahnte er die Kopfball-Ablage und zog von der Strafraumkante ab. Ryan Johansson zog seine Birne aus der Flugbahn und drin war das Ding.
Beim reichlich bejubelten 2:1 spekulierte er auf einen Fehler des sonst starken Keepers und lag damit richtig. Wuchtig setzte er den Ball ins Gehäuse und rutschte dann auf den Knien vor dem Preußen-Block entlang. Im Moment passt bei ihm sehr vieles zusammen. Hoffen wir, dass es länger so bleibt und er auch in schwierigen Phasen – die kommen bei so jungen Spielern immer – genügend Unterstützung bekommt.
Lustiger Fakt zum Schluss: Marvin Schulz ist aktuell 22 Jahre alt. Da ist sie wieder, die Zwei.
Zwei, die Vierte: Unsere zweite Mannschaft
Am Sonntag haben wir zum zweiten Mal seit dem bitteren Abstieg 2020 sehr deutlich gesehen: In Münster wird gute Nachwuchsarbeit geleistet. Mit Marvin Schulz 2, Niklas Varelmann und Leon Tasov standen gleich drei ehemalige Spieler der U23 in der Startelf. Niklas Varelmann spielte durch und lieferte eine stabile Leistung ab. Bei Leon Tasov reichte es leider nur für eine Halbzeit, dann kam der deutlich erfahrenere Philipp Maier zum Einsatz.
Dennoch sollte man diesen Umstand deutlich betonen: Auch junge Spieler bekommen in Münster ihre Chance. Denn neben den drei Genannten gehören zudem Mikhail Demirhan und Paul Ervens zum erweiterten Kader. Was auch immer Kieran Schulze-Marmeling gemeinsam mit seinem Trainerteam da in der Oberliga treibt: Sie sollten damit unbedingt weitermachen!
Zwei, die Fünfte: Die Tabelle
Natürlich sind erst fünf Spiele von 38 gespielt und es kann noch viel passieren. Auch am Sonntag gab es schwierige Phasen. Die Stuttgarter verstanden es immer wieder, den SCP in der eigenen Hälfte einzuschnüren. Es ist wohl der Unerfahrenheit der VfB-Bubis zu verdanken, dass es nicht häufiger klingelte. Der Sieg ist verdient, aber spielerisch ist bei den Preußen bestimmt noch mehr möglich.
Und trotzdem: Wer Dritter ist, will Zweiter werden. Mindestens. Das gilt ganz besonders dann, wenn der aktuelle Zweite in Münster so beliebt ist wie ein lange aufgeschobener Zahnarzttermin.
Alle zusammen für Preußen Münster!











