Unentschieden zum Abschluss lässt noch viele Fragen offen
Zum Schluss endete der Nachmittag dann doch noch halbwegs versöhnlich. Spieler und Trainerteam kamen, wenn auch mit zünftiger Verspätung, und gaben mit stoischer Gelassenheit Autogramme, standen für Fotos zur Verfügung und hielten den ein oder anderen kleinen Plausch mit der Anhängerschaft. Diese war vorher auf eine harte Geduldsprobe gestellt worden, nicht nur mit Wartezeiten von bis zu dreißig Minuten an den Catering-Ständen – hier schien man überrascht, dass bei einer groß angekündigten Saison-Eröffnung dann trotz des ambitionierten Eintrittspreises von 19,06 € für Vollzahler doch über 2400 Fans gekommen waren – sondern auch mit einem mehr als zähen Kick gegen den Drittligisten (!) aus Köln.
Preußen startet druckvoll
Wer zum Abschluss der Vorbereitung eine Fußball-Gala von der neuformierten Truppe erwartet hatte, der wurde schon bei der Aufstellung eines Besseren belehrt, denn mit ter Horst, Kirkeskov, Lorenz, Mees, Benger und Vilhelmsson fehlte eine ganze Reihe von Spielern, die man in der Startelf für Karlsruhe erwarten könnte. Trotzdem legte der SCP zunächst mit viel Schwung los, lief hoch an und drückte die Viktoria in die eigene Hälfte. Die Spielidee von Trainer Alexander Ende – ein 4-4-2 mit Mittelfeldraute – wurde von den Spielern eindrucksvoll umgesetzt und so gab es einige schöne Kombinationen zu bestaunen ohne, dass dabei aber klare Chancen kreiert wurden.
Der Gast hielt robust dagegen und hatten, das System der Preußen spiegelnd, den Adlerträgern nach gut 20 Minuten den Stecker gezogen. Die SCP-Spieler zogen in den Zweikämpfen, wohl aus Angst vor Verletzungen, zurück und auch die Laufbereitschaft ließ spürbar nach, sodass sich das Geschehen mehr und mehr in der Hälfte der Hausherren abspielte, ohne dass hüben wie drüben auch nur im Ansatz Gefahr vor den Toren entstand. Gefühlt war Jojo Schenk der Preuße mit den meisten Ballberührungen und Trainer Ende dürfte in seiner Coaching-Zone die meisten Kilometer abgerissen haben. Die Versuche, ausschließlich mit spielerischen Mitteln zum Erfolg zu kommen, scheiterten immer wieder an den zahllosen Ungenauigkeiten, die schon die Woche zuvor gegen Almelo aufgefallen waren.
Makridis auf ungewohnter Position auffällig
Einzig Makridis, der eigentlich für Kirkeskov hinten links in der Kette spielte, und Amenyido sorgten gelegentlich für ansprechende offensive Aktionen. Auch die Wechsel der zweiten Halbzeit, Batmaz und Gueye kamen, änderten das Spielgeschehen nicht großartig. So war es die Einwechslung von Simon Scherder, die erstmalig so etwas wie Stimmung aufkommen ließ, bevor dann ein sehr schön ausgespielter Umschaltmoment über Makridis und Amenyido zum 1:0 (68.) durch den griechischen Allrounder führte. Das wäre dann doch noch ein versöhnlicher Abschluss für das Spiel gewesen, wenn nicht zehn Minuten später Ley-Tyger Lobinger nach einem Freistoß zum verdienten Ausgleich getroffen hätte.
Dabei blieb es dann, und auf der Tribüne stellte sich die Frage, wo der SCP jetzt, eine Woche vor dem ersten Punktspiel in Karlsruhe, denn jetzt steht. Festzuhalten ist: Trotz einiger namhafter Zugänge wird die nächste Spielzeit kein Selbstläufer werden, und wenn nicht alle Kicker in Grün von Beginn an hundert Prozent geben, werden die Preußen es schwer haben.
Fokus liegt auf dem Saisonstart
Das neue System lässt sich schon erkennen, aber Fußballgott Scherder machte schon darauf aufmerksam, wie schwierig es ist, bei einer relativ kurzen Vorbereitung ein komplett neues System einzustudieren. Es wird wohl noch bis in die Anfangsphase der Saison dauern, bis sich die Automatismen eingeschliffen haben. Zudem hatte man gemerkt, dass das intensive Trainingslager der vergangenen Woche vielen Spielern noch in den Knochen steckte. Trainer Alexander Ende machte aber nach dem Spiel auch Hoffnung: „Man sehnt sich am Ende der Vorbereitung nach dem ersten Pflichtspiel. Auf diesem Auftakt lag die letzten Wochen der Fokus. An dem Tag werden wir frisch sein und eine bessere Leistung abliefern.“
Alle Anhänger der Adlerträger werden sich also noch eine Woche gedulden müssen um zu erfahren, wo die Mannschaft jetzt tatsächlich steht. Auftaktgegner KSC kam übrigens bei seiner Generalprobe auch nicht über ein 1:1 gegen Drittligist Ulm hinaus. Der Countdown zum Saisonauftakt läuft und trotz der eher mauen Leistung gegen Viktoria Köln bin ich, nicht nur, weil es hinterher noch ordentlich Autogramme gab, guter Dinge und schon heiß wie Frittenfett auf den Saisonstart!
Alle zusammen für Preußen Münster!
