Jahresrückblick 2025: Es bleibt dabei – Preußen in Liga 2 (Teil 2)
In einer dreiteiligen Serie möchten wir zurückblicken auf das Preußen-Jahr 2025, das es in vielerlei Hinsicht in sich hatte. Sportlich gelang Mitte des Jahres der knappe Klassenerhalt nach einem sensationellen Schlussspurt. Zur Winterpause steht der SCP nun auf Platz 12 in der 2. Bundesliga, was die beste Platzierung zur Saisonmitte seit 1980 ist. Zudem nahm der Umbau des Preußenstadions Fahrt auf. Die Westkurve ist längst in Benutzung und auch die Ostkurve hat schon deutlich Form angenommen. Im zweiten Teil blicken wir auf die Monate Mai bis August. Wer den ersten Teil verpasst hat, finden ihn hier.
Mai – Klassenerhalt dank spektakulärem Schlussspurt
Das neue Trainer-Duo durfte (oder musste) im Mai direkt mit einer extrem schwierigen Aufgabe starten. Die Münsteraner mussten auswärts beim Tabellen-3. 1. FC Magdeburg antreten. Der ehemalige Europapokal-Sieger könnte mit einem Sieg einen großen Schritt in Richtung des erstmaligen Bundesliga-Aufstieges machen, während dem SCP der Verlust des Anschlusses an die Nicht-Abstiegsplätze drohte. Was dann auf dem Rasen passierte, versetzte allerdings alle 26.800 Zuschauer – egal ob im Heimbereich oder im Gästeblock – in ungläubiges Staunen. In einem einseitigen Spiel gewann der SCP sage und schreibe mit 5:0 und erreichte damit den höchsten Sieg der Vereinsgeschichte in der eingleisigen 2. Bundesliga.
Eine Woche später stand das Heimspiel gegen Hertha BSC am vorletzten Spieltag an, das in doppelter Hinsicht einen hohen Stellenwert besaß. Zunächst stand der wichtige sportliche Aspekt im Fokus. Drei Punkte waren zwingend notwendig, um im Saisonfinale weiterhin im Kampf um den direkten Klassenerhalt mitmischen können. Dies gelang unter anderem dank einer Gala-Vorstellung von Jorrit Hendrix, der mit seinem Doppelpack einen maßgeblichen Anteil am 2:0-Heimsieg hatte. Das erste der beiden Tore erzielte Hendrix spektakulär per Hacke, was ihm im Nachgang die Auszeichnung zum „Tor des Monats“ der Sportschau einbrachte.
Trotz des wichtigen Sieges verließen viele Fans das Stadion nach dem Spiel mit einem weinenden Auge. Das letzte Heimspiel der Saison war gleichzeitig das letzte Heimspiel vor dem Abriss der Ostkurve bzw. der Fiffi-Gerritzen-Kurve, wie sie die Fans vor einigen Jahren tauften. Zum Abschiedsspiel bereitete die aktive Fanszene eine große Choreo unter dem Motto „Stufen, die die Welt bedeuten“ vor und bot der Kurve, die über viele Jahrzehnte die Heimat vieler Generationen an Preußen-Fans war, einen würdigen Abschied.
Nach dem in doppelter Hinsicht emotionalen 33. Spieltag war der letzte Spieltag natürlich nicht weniger emotional aufgeladen, da es für den SCP um nichts weniger als den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga ging. Ein direkter Abstieg war dank der Ergebnisse zuvor bereits nicht mehr möglich, sodass man sich nur noch ein Fernduell um den Relegationsplatz mit Eintracht Braunschweig lieferte. Während die Münsteraner auswärts beim bereits sicheren Absteiger SSV Ulm antraten, waren die Braunschweiger zuhause gegen den 1. FC Nürnberg gefordert. Die Ausgangslage war dabei klar: Wenn Preußen mindestens genauso viele Punkte holt wie die Eintracht, wäre der Klassenerhalt gesichert. Hierzu reichte am Ende bereits ein 2:2 in Ulm, da der BTSV parallel deutlich mit 1:4 verlor. Die Klassenerhaltsparty vor und im Gästeblock des Ulmer Donaustadions konnte also steigen und fiel dabei kaum weniger euphorisch aus als der Aufstieg ein Jahr zuvor.
Kurz nach dem letzten Spieltag wurde als Vorgriff auf die neue Saison bereits Alexander Ende als neuer Trainer vorgestellt, der das erfolgreiche Trainer-Trio um Schulze Marmeling, Pander und Weinfurtner ablöste. Somit hatte er die gesamte Saisonvorbereitung Zeit, um sich auf die Spielzeit 2025/2026 vorzubereiten.
Spiele:
- 1. FC Magdeburg – SCP 0:5
- SCP – Hertha BSC 2:0
- SSV Ulm – SCP 2:2
Juni – Ruhe an der Hammer Straße
Im Gegensatz zum nervenaufreibenden Saisonfinale im Mai, war der Juni ein ruhiger Preußen-Monat. Große Teile des Monats befand sich die gesamte Mannschaft in der Sommerpause, sodass sich das Geschehen an der Hammer Straße auf die Büros der Vereinsmitarbeiter und auf die Baustelle des Preußenstadions beschränkte. Während die Ostkurve zügig dem Erdboden gleichgemacht wurde, befand sich der Neubau der Westkurve in den finalen Zügen und wurde für den Saisonstart vorbereitet.
Auch die Kaderplaner hatten in dieser Phase natürlich keineswegs Urlaub, sondern schraubten an dem Kader, der den erneuten Klassenerhalt perfekt machen soll. Mit Marcel Benger, Lars Lokotsch (beide SC Verl), Oscar Vilhelmsson (Darmstadt) und Marvin Schulz (Kiel) unterschrieben die ersten vier Neuzugänge beim SCP. Zudem kehrten mit Jakob Korte (VfB Lübeck) und Marvin Benjamins (SV Rödinghausen) zwei Leihspieler nach Münster zurück.
Parallel dazu mussten bzw. wollten auch einige Spieler den Verein verlassen und suchten sich neue Aufgaben. Darunter befanden sich unter anderem Lukas Frenkert (Braunschweig), Luca Bazzoli (Essen), Daniel Kyerewaa (FC Reading) und Thorben Deters (Meppen).
Spiele:
Westfalia Kinderhaus – SCP 0:5 (Testspiel)
Juli – Der Sport kehrt zurück
Im Juli kehrte endlich auch wieder sportlich Leben beim SCP ein. Nach dem ersten Testspiel bei Westfalia Kinderhaus im Juni (0:5) folgten im Juli fünf weitere Testspiele gegen nationale und internationale Gegner. Die Bilanz aus den sechs Testspielen: drei Siege, zwei Niederlagen und ein Unentschieden. Die Ergebnisse stellten dabei nicht alle zufrieden, allerdings wurde bereits deutlich, dass sich der Spielstil mit dem neuen Trainer Alexander Ende stark ändern sollte. Sein favorisiertes 4-4-2-System mit viel Ballbesitz und Passspiel wurde in der Saisonvorbereitung einstudiert und immer wieder blitzte dabei die neue Spielidee durch.
Während der Vorbereitung wurde natürlich weiterhin am Kader gefeilt und vier neue Gesichter tauchten an der Hammer Straße auf. Hierbei handelte es sich um Oliver Batista Meier (Ulm), Marco Meyerhöfer (Fürth), Paul Jaeckel (Union Berlin) sowie Antonio Tikvic (FC Watford), der mit einer Ablösesumme von geschätzten 700.000 € der teuerste Neuzugang der Vereinsgeschichte wurde.
Eine wichtige Neuigkeit betraf zudem noch die Nachwuchsabteilung des SC Preußen Münster. Nach jahrelangen Kraftanstrengungen wurde diese nun offiziell als Nachwuchsleistungszentrum anerkannt.
Ein letzter Blick gebührt zum Monats- und Sommerpausenende noch dem Preußenstadion. Die neue Westkurve war nahezu fertig, sodass diese bereit für das erste Heimspiel im August war. Einige Dinge, wie etwa die Verpflegung und die Toiletten, mussten zwar zunächst provisorisch gelöst werden, doch ansonsten wurde die Tribüne nutzbar. Auf der Gegenseite war die Ostkurve zu diesem Zeitpunkt nahezu vollständig abgetragen und das Baufeld wurde für den Baubeginn vorbereitet. Zudem wurde Ende des Monats die Baugenehmigung für das gesamte Stadion erteilt, sodass dem Neubau von nun an nichts mehr im Wege steht.
Spiele:
- SCP – SC Verl 1:0 (Testspiel)
- SCP – KAA Gent 2:3 (Testspiel)
- MSV Duisburg – SCP 1:4 (Testspiel)
- Heracles Almelo – SCP 4:1 (Testspiel)
- SCP – Viktoria Köln 1:1 (Testspiel)
August – Weiter geht’s in der 2. Bundesliga
Nach dem Klassenerhalt im Mai, durfte der SCP vor der neu eröffneten Westtribüne nun erneut in der zweithöchsten Fußball-Liga des Landes antreten. Bei den ersten Spielen im August war bereits ein anspruchsvolles Kombinationsspiel im Sinne des neuen Stils von Trainer Ende sichtbar, das allerdings nicht auf Anhieb in jeder Situation funktionierte. Hierfür steht exemplarisch insbesondere das Pokalspiel gegen Hertha BSC, in dem die Münsteraner in jeder Hinsicht das klar dominierende Team waren. Trotz viel Ballbesitz und unzähliger Torchancen konnte kein Treffer erzielt werden, sodass schlussendlich das Elfmeterschießen entscheiden musste. Hier zogen die Schützen des SCP den Kürzeren, wodurch das bittere Ausscheiden besiegelt war.
Der sportliche Höhepunkt des Monats war wohl der Auswärtssieg beim VfL Bochum. Mit sieben Punkten aus vier Spielen standen die Adlerträger nun auf einem starken siebten Tabellenplatz. Den negativen sportlichen Höhepunkt mussten die Adlerträger bereits am ersten Spieltag hinnehmen. Im Rahmen der Niederlage beim KSC riss sich ausgerechnet Rekord-Transfer Antonio Tikvic das Kreuzband und wird damit lange ausfallen. Es sollte nicht der einzige Kreuzbandriss der Hinrunde bleiben…
Ungewohnt für die Preußen-Fans war (und ist) allerdings die provisorische Situation des Stadions während der Bauphase. Die Gästefans sind bereits in ihrem neuen Gästeblock im Westen untergebracht und machen baubedingt etwa ein Fünftel der Stadionkapazität aus. Logischerweise können sich diese gegenüber dem kleinen Block K auf der Gegengeraden, in dem sich vorübergehend das Stimmungszentrum des SCP befindet, häufiger akustisch behaupten als man es zuletzt gewohnt war. Auch viele Gruppen im Stadion müssen sich neu finden und verbringen diese Saison häufig getrennt voneinander. Voraussichtlich im Laufe der Rückrunde können wir uns dann aber bereits auf unsere neue Ostkurve freuen, die viele dieser Probleme lösen wird. Ein Lichtblick hierbei ist, dass bereits im August die ersten Betonteile eingeflogen sind und der Hochbau gestartet ist.
Neben dem Platz sorgte leider auch die Causa Marc Lorenz für Furore. Der einzige dreifache Aufstiegsheld des Vereins (2011, 2023 & 2024) wurde fristlos gekündigt. Grund hierfür war der Vorwurf, Spendengelder veruntreut zu haben. Das Verfahren ist bis heute nicht abgeschlossen und beschäftigt den SCP somit weiterhin.
Spiele:
- Karlsruher SC – SCP 3:2
- SCP – SC Paderborn 1:1
- SCP – Hertha BSC 3:5 n.E. (DFB-Pokal)
- SCP – 1. FC Nürnberg 2:1
- VfL Bochum – SCP 1:2
Weiter geht es mit dem Jahresrückblick in den nächsten Tagen mit den Monaten September bis Dezember. Das sportliche Highlight in dieser Phase war sicherlich der Derbysieg bei Arminia Bielefeld, außerdem schritt der Stadionbau weiter voran und der Verein hielt die größte Mitgliederversammlung seiner Geschichte in der Halle Münsterland ab.
Teil 1 des Jahresrückblicks ist hier zu finden.
Alle zusammen für Preußen Münster!
