Im Westfalen-Schlager trifft Preußen Münster auf starke Bochumer

Am Freitagabend ist es endlich wieder so weit. Wenn Schiedsrichter Patrick Alt um 18:30 Uhr vor 10.642 Zuschauern im komplett ausverkauften Stadion den Westfalen-Schlager zwischen dem SC Preußen Münster und dem VfL Bochum anpfeift, dann liegt das letzte Aufeinandertreffen beider Vereine in einem Pflichtspiel im Preußenstadion 17 Jahre zurück.
Letztes Aufeinandertreffen in Münster 2008
Damals, am 08.08.2008 im Pokal, setzte sich der damalige Erstligist aus Bochum gegen den gastgebenden Viertligisten erst im Elfmeterschießen mit 6:5 durch. Seither gab es nur ein Pflichtspiel beider Vereine. Am 30.08. letzten Jahres setzten sich die Preußen an der Castroper Straße durch einen Doppelpack von Joshua Mees mit 2:1 durch. Zu diesem Zeitpunkt schien es, als würde der Absteiger aus dem Ruhrgebiet Gefahr laufen, direkt in die dritte Liga durchgereicht zu werden. Zeitgleich keimte in Münster die Hoffnung, dass sich die Adlerträger mit Mini-Etat, runderneuerter Mannschaft und neuer Spielphilosophie vielleicht im Mittelfeld der Tabelle festsetzen könnten. Seither ist viel Wasser die Aa heruntergeflossen und die Vorzeichen haben sich etwas gedreht. Als nach dem 8. Spieltag an der Ruhr die rote Laterne leuchtete, handelte man, installierte Uwe Rösler als neuen Trainer und verlor in der Folge nur noch ein Ligaspiel daheim gegen Dresden. Mit 26 Punkten steht der VfL zurzeit auf dem achten Tabellenplatz und hat am vergangenen Samstag beim 2:0-Sieg gegen den ungeliebten Nachbarn aus Herne-West mit Nachdruck unterstrichen, dass man den Aufstieg noch nicht ganz abgehakt hat.
Bochum ist die Mannschaft der Stunde und glänzt mit Tempo
Dazu haben sich die Blau-Weißen im Winter nochmals mit Stürmer Callum Marshall und den Verteidigern Oliver Olsen und Mikkel Rakneberg verstärkt. Ein entscheidender Faktor für den Sieg gegen den Tabellenführer war aber die Rückkehr des lange Zeit verletzten gebürtigen Bremerhaveners Gerrit Holtmann, der mit seinem Tempo wohl zu den schnellsten Spielern der Liga gehört und beide Treffer über seine linke Seite vorbereitet hat. Im schnellen Umschaltspiel liegt das Geheimnis des momentanen Erfolges der Bochumer. Im Gegensatz zu den Preußen haben sie eher geringe Ballbesitzwerte und spielen mit der Viererkette – die je nach Spielverlauf zu einer Dreier- oder Fünferkette werden kann – aus einem dichten Mittelfeld heraus. Bei Ballgewinn geht es dann schnörkellos über die schnelle Außen – neben Holtmann können auch Alfa-Ruprecht oder über rechts der Japaner Koji Miyoshi mächtig Fahrt aufnehmen – Richtung gegnerisches Tor, wo dann Jugend-Nationalspieler Onyeka, der schon genannte Marshall oder Routinier Philipp Hofmann lauern. Gerade auf Letzteren müssen die Preußen achtgeben, da er mit seiner ganzen Erfahrung stets auf Fehler des Gegners spekuliert, keinen Ball verloren gibt und auch bei Standards immer für Gefahr sorgt.
Ende mit neuen Optionen in der Offensive
Keine einfache Aufgabe also für den SCP. Wenn er die so dringend benötigten Punkte einfahren will, dann bedarf es einer deutlichen Steigerung zu letztem Freitag, denn Fehler und Unaufmerksamkeiten wie in Nürnberg dürften von den Gästen relativ humorlos bestraft werden. Und Punkte brauchen die Adlerträger, denn schon am Wochenende könnte ein Abstiegsplatz drohen. So sagt auch Trainer Ende in der PK: „Ein Dreier ist Gold wert in dieser Liga. Wenn es gegen Bochum am Ende ein Punkt wird, kann das auch gut sein. Ein Sieg würde tabellarisch guttun“. Fehlen werden dem Coach bei diesem Unterfangen die gesperrten Heuer und Bouchama, sowie die Verletzten Vilhelmsson, Mees, Lokotsch, Bolay, Batmaz Tikvic und Scherder. Einsatzbereit sind dagegen unsere beiden neuen Stürmer Rodic und Yamada, denen Ende in Nürnberg einen „ordentlichen Einstand“ attestierte. Auch der Ex-Lauterer Raschel steht als Option für die Raute zur Verfügung. Zum VfL sagt der Übungsleiter: „Das Hinspiel nehme ich nicht als Herangehensweise. Ich nehme die letzten Wochen als Beispiel. Bochum hat den wenigsten Ballbesitz, es gilt, ihre Umschaltmomente zu unterbinden. Sie suchen den schnellen Weg in den Rücken unserer Kette“ .
Schnelligkeit und Präzision als Schlüssel zum Erfolg
Wie diese aussehen wird und wer den gesperrten Heuer vertreten wird, lässt der Coach offen. Zur Verfügung stünden der in Paderborn überragende Torge Paetow oder Marco Meyerhöfer und dann ist da ja auch noch Doppelaufsteiger Niko Koulis. Auf jeden Fall wird sich das System nicht ändern. „Wir werden nicht mit einer Fünferkette spielen, um etwas abzusichern.“ Stattdessen fordert der Trainer schlaues Spiel, gutes Timing in der Defensive und gegenseitige Absicherung: „Gemeinschaftlichkeit“ und „guter eigener Ballbesitz“ werden wichtig sein. Eine Chance für die Preußen dürfte darin liegen, dass die großgewachsenen Abwehrspieler der Gäste nicht zu den schnellsten der Liga gehören und bei aller körperlichen Robustheit stellenweise etwas „hüftsteif“ wirken. In schnellem, präzisem Flachpassspiel liegt die Möglichkeit, Chancen zu kreieren, das Tor der Gäste nachdrücklich in Gefahr zu bringen und die Dinger dann auch einmal reinzumachen. Timo Horn zu überwinden, ist sicherlich nicht einfach, aber möglich! Auf diesem Weg müssen die Adlerträger versuchen, gemeinsam mit den Fans den Bochumern ihr Spiel aufzuzwingen, um am Ende des Tages endlich einmal wieder als Sieger vom Platz zu gehen und sich wieder etwas Luft nach unten zu verschaffen.
Alle zusammen für Preußen Münster!
