Wenn der Glaube schwindet: Preußen vor dem nächsten Endspiel in Braunschweig

Wenn der SC Preußen Münster am kommenden Sonntag bei Eintracht Braunschweig antritt, ist die Ausgangslage klar – und sie ist brisant. Es ist wieder einmal eines dieser Spiele, die gerne als „Sechs-Punkte-Spiel“ bezeichnet werden. Doch anders als noch vor einigen Wochen schwingt rund um den SCP inzwischen eine andere Tonlage mit: weniger Überzeugung, mehr Zweifel.
Sieglos-Serie und freier Fall in der Tabelle
Seit dem Derby-Erfolg auf der Bielefelder Alm ist Münster nun seit neun Spielen ohne Sieg. Was zunächst nach einer schwierigen Phase aussah, hat sich mittlerweile zu einer handfesten Ergebniskrise entwickelt. Der SCP hat sich Schritt für Schritt tiefer in die Abstiegszone manövriert und steht aktuell nur noch dank eines minimal besseren Torverhältnisses auf Platz 15 – ein trügerischer Vorsprung, der jederzeit kippen kann.
Dabei ist das eigentliche Problem weniger die spielerische Anlage als vielmehr die fehlende Durchschlagskraft und Konsequenz in den entscheidenden Momenten. Spiele kippen zu oft gegen Münster, weil die Mannschaft es nicht schafft, sich für ordentliche Ansätze auch zu belohnen.
Ernüchterung statt Aufbruchsstimmung
Besonders deutlich wurde das zuletzt im Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserlautern. Nach dem blutleeren Auftritt bei Fortuna Düsseldorf hatte man auf eine Reaktion gehofft – doch die blieb aus. Stattdessen setzte es eine sang- und klanglose Niederlage, die nicht nur sportlich schmerzte, sondern auch emotional Spuren hinterließ.
In den Kurven macht sich zunehmend der Eindruck breit, dass der Mannschaft aktuell die Ideen fehlen, um das Ruder herumzureißen. Die Abläufe wirken zu statisch, die Lösungen zu vorhersehbar, und gerade in Drucksituationen fehlt es an Klarheit und Entschlossenheit.
Trainerfrage bleibt (noch) unbeantwortet
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang der Umgang der Vereinsführung mit der Situation. Während in der 2. Bundesliga bereits zahlreiche Trainer ihren Posten räumen mussten, hält man in Münster nahezu stoisch am bestehenden Trainerteam fest. Kontinuität kann ein Wert sein – in der aktuellen Lage wirkt sie jedoch zunehmend wie ein Risiko.
Ob diese Ruhe ein Zeichen von Überzeugung oder fehlenden Alternativen ist, lässt sich von außen schwer beurteilen. Klar ist jedoch: Die Ergebnisse liefern derzeit keine Argumente, die diesen Kurs eindeutig rechtfertigen.
Braunschweig: Gleiche Lage, gleiche Sorgen
Mit Eintracht Braunschweig wartet nun ein Gegner, der sich in einer sehr ähnlichen Situation befindet. Auch dort geht es um jeden Punkt, auch dort ist der Druck spürbar. Genau das macht diese Partie so gefährlich – und gleichzeitig so entscheidend.
Denn Spiele gegen direkte Konkurrenten im Tabellenkeller haben ihre eigene Dynamik. Sie sind selten schön, oft zerfahren, aber fast immer richtungsweisend. Für Münster bedeutet das: Verlieren verboten. Doch genau hier liegt aktuell die größte Unsicherheit.
Ein Spiel, das Antworten verlangt
Die Frage, die über allem steht, ist nicht nur, ob Münster dieses Spiel gewinnen kann – sondern ob die Mannschaft die Dringlichkeit der Lage wirklich verinnerlicht hat. In den vergangenen Wochen fehlte häufig genau diese letzte Überzeugung, dieses kompromisslose Auftreten, das im Abstiegskampf unerlässlich ist.
Das Duell in Braunschweig bietet die nächste Chance, ein Zeichen zu setzen. Aber es ist eben auch nur noch eine von wenigen. Sollte der Turnaround erneut ausbleiben, wird sich die Situation weiter zuspitzen – sportlich wie emotional.
Für den SC Preußen Münster geht es längst nicht mehr nur um Punkte. Es geht um Haltung, um Klarheit – und um die Frage, ob diese Mannschaft bereit ist, den Abstiegskampf wirklich anzunehmen.
Alle zusammen für Preußen Münster!
