Kaderanalyse XXL – mit Anti-Fußball zum Erfolg?!

Die Abwehr – oder: die westfälische Mauer
Das Prunkstück der vergangenen Saison war die, von Marco Antwerpen neu eingeführte, Dreierkette um Simon Scherder, Ole Kittner und Lion Schweers. In Anlehnung an ihre Heimatorte und zusammen mit Maximilian Schulze Niehues galt sie in Fankreisen schon als westfälische Mauer. Der Abgang von Sebastian Mai in der Innenverteidigung wurde mit Dominik Lanius kompensiert. Der großgewachsene und hochtalentierte Abwehrspieler stieß aus der Regionalliga von Viktoria Köln zu den Preußen. Er folgte zudem seinem ehemaligen Trainer Antwerpen und will nun in der 3. Liga den nächsten Schritt wagen. Vor einem Jahr war angeblich sogar der Hamburger SV an Lanius interessiert, nun soll es jedoch erst einmal die 3. Liga sein, in der er sich etablieren möchte.
In den Vorbereitungsspielen hinterließ Lanius einen ordentlichen Eindruck, stark im Zweikampf sowohl am Boden, als auch in der Luft. Lediglich physisch fällt er gegenüber seinen Mitstreitern auf der gleichen Position noch etwas ab, gewinnt er die Robustheit eines Lion Schweers noch hinzu, wird man mit dem 21-jährigen Abwehrtalent noch viel Spaß haben. Sowohl links, als auch innen kann Jannik Borgmann spielen. Eigentlich für die U23 eingeplant, schaffte er letzte Saison den Sprung in den Drittligakader und gilt als eine Art Lieblingsschüler von Antwerpen, da er sich enorm wissbegierig und ehrgeizig zeigt.
Der Lohn ist nun, dass der Linksfuß fest zum Kader gehört und auch schon in Spielen gegen Wiesbaden oder Köln bewiesen hat, dass die dritte Liga für ihn nicht zu hoch ist. Die Flexibilität sowohl hinten links, als auch innen verteidigen zu können, macht ihn zu einem wertvollen Kadermitglied, wenngleich Startelfeinsätze wohl nur im Falle von Verletzungen oder Sperren eintreten werden. Denn für die linke Außenverteidigerposition hat der SCP einen Mann verpflichtet, der das Potenzial hat den Platz des Publikumslieblings von Al-Hazaimeh einzunehmen.
Niklas Heidemann, 23 Jahre alter Blondschopf, kehrte vom Wuppertaler SV zurück nach Münster. In Schwerte geboren und weiterhin wohnhaft, spielte er schon in der U17 mit dem Preußen-Adler auf der Brust. Über die Umwege Ruhrgebiet und Rheinland zog es ihn nun zurück nach Westfalen. In der Vorbereitung zementierte er seine Stammplatz Ansprüche mit starken Leistungen. Der Linksfuß kommt insbesondere über seine Physis, ackert 90 Minuten die Seitenlinie rauf und runter und scheut auch keinen Zweikampf. Mit sieben Assists für den Wuppertaler SV in der abgelaufenen Spielzeit konnte er jedoch auch offensiv seine Qualitäten unter Beweis stellen. Sollte Heidemann sich weiter so entwickeln und weiter so durchziehen, wie in der Vorbereitung zu sehen war, kann man den Verantwortlichen zu diesem Transfer nur gratulieren.
Zudem kehrte im Frühjahr auch Benny Schwarz zurück in den Kader. Nach schier endloser Leidensgeschichte aufgrund von Knieproblemen, wollte er in dieser Vorbereitung erneut angreifen, wurde jedoch aufgrund vieler kleinerer Blessuren immer wieder zurückgeworfen. Im vorletzten Testspiel gegen Wattenscheid erlitt der nimmermüde Linksfuß einen Knorpelbruch an der Rippe, der ihn höchstwahrscheinlich die nächsten vier Wochen außer Gefecht setzt. Zur Not könnte auch Julian Conze dort agieren. Im letzten Spiel der abgelaufenen Saison durfte er links hinten in Großaspach seine ersten Drittliga Minuten sammeln. Weitere kommen diese Saison wohl nur bei größerem Verletzungspech im Kader hinzu.
Auch auf der rechten Seite gab es eine Personaländerung. Nach drei Jahren verließ Stephane Tritz den Verein. Unter Ex-Coach Benno Möhlmann noch gesetzt, verlor er den Stammplatz unter Antwerpen, da Fabian Menig von links auf die rechte Seite rückte und auch in der kommenden Spielzeit dort eingeplant ist. Sein Back-Up kam aus der Regionalliga Nordost. Der talentierte Ugur Tezel, der auch schon bei der Hertha Profis mittrainierte, stieß aus Berlin zum Preußen-Tross. In den Vorbereitungsspielen zeigte er insbesondere in der Offensive durch Flanken seine Stärke, allerdings gilt er zunächst als Perspektivspieler und soll laut Metzelder möglichst schnell an das Niveau der 3. Liga herangeführt werden.
An Menig wird zunächst kein Vorbeikommen sein, der Rotschopf mit dem Spitznamen „Eisen“ (den er nach einer Trainingsübung im 1:1 gegen Tobias Rühle verpasst bekam, nach dem jener Menigs Schienbeine mit einer Eisenstange verglich) geht mit dem Kopf dorthin, wo andere ihren Fuß wegziehen. Auch, dass die gesamte Abwehr stabiler steht, wenn Menig rechts für Klarheit sorgt, war in der Vorbereitung häufig zu sehen.




