Kommentar: Es wird Zeit

Preußen Münster - Allgemein

Das Coronavirus und der allgemeine Lockdown sind aktuell das beherrschende Thema überall. Ob in den Nachrichten oder in privaten Gesprächen, alles dreht sich um diesen Virus. Kein Wunder, betrifft es doch unser aller Leben und jeder muss auf die ein oder andere Art Opfer bringen. Alle? Nein, denn der Fußball hierzulande versucht krampfhaft irgendwie so etwas wie Normalität zu simulieren.

Der Fußball darf keine Sonderrolle erhalten

Mit Hochdruck wird daran gearbeitet die Saison auf Biegen und Brechen noch irgendwie über die Bühne zu kriegen. Dafür setzen sich sämtliche Schwergewichte des deutschen Fußballs bei der Politik ein. Gebündelt mit der gesamten Macht ihrer Wirtschaft und den vielen Angestellten im Fußballbetrieb, die quasi als Faustpfand in Geiselhaft herhalten müssen. Dass man viele tausende Menschen finanzieren könnte, ohne auf Kurzarbeit zurückgreifen zu müssen, wenn die Fußballprofis einfach mal ein paar Monate auf ihr doch recht üppiges Gehalt verzichten würden? Geschenkt.

Doch dies sei nur nebenbei bemerkt, da das zuallererst auf die ersten beiden Ligen zutrifft. Der 0815 Drittligaclub hat da ganz andere Probleme, denn hier geht es wirklich schlichtweg um die Existenz. Und was macht der DFB? Vertröstet die Vereine und Fans wieder einmal. Man wolle zwar die Saison noch irgendwie sportlich über die Bühne bringen, aber so wirklich festlegen will man sich dann doch auch nicht.

Schlecht gewirtschaftet

Lieber DFB, es wird Zeit, dass man dem Unausweichlichen endlich in die Augen blickt und es ganz klar ausspricht: Die Saison muss abgebrochen und annulliert werden! Eine andere Möglichkeit den Fußball noch irgendwie zu retten, sehe ich sonst nicht. Fußball besteht nicht nur aus den ersten beiden Ligen, sondern aus vielen hundert kleineren und mittelgroßen Vereinen in den Niederungen des deutschen Profi- und Amateurfußballs. Und die sind wirtschaftlich in einer deutlich prekäreren Situation, als Vereine in den ersten beiden Ligen, die nach ein paar Wochen ohne Einnahmen augenscheinlich bereits am Hungertuch nagen.

Andere Vereine wie der 1. FC Kaiserslautern reiben sich schon gierig die Hände, können sie sich doch aller Wahrscheinlichkeit nach durch Corona absolut sanktionslos entschulden. Ungeachtet dessen, dass der Großteil ihrer Verbindlichkeiten nicht aus der Krise resultiert, sondern das Resultat von jahrelanger Misswirtschaft und Preistreiberei ist. Dafür soll man noch belohnt werden? Ja schönen Dank auch! In der freien Wirtschaft würde man da sagen: Tja, schlecht gewirtschaftet. Wieso sollte das beim Fußball anders sein? Handelt es sich um den allergrößten Teil der Vereine doch ebenfalls um GmbH’s , AG’s oder andere Kapitalgesellschaften.

Geisterspiele vs. Saisonabbruch

Geisterspiele sind gerade für Drittligisten keine Option, da sich einer der größeren Teile ihrer Erlöse aus den Ticketverkäufen speist und diese wegfallen würden. Gleichzeitig würden bei einem normalen Spielbetrieb die Kosten aber auch wieder steigen. Das Ergebnis: Massenhaft Insolvenzen, gerade in der dritten Liga und darunter. Um dies zu verhindern bleibt einem eigentlich nichts anderes übrig als ein Saisonabbruch. Unfair für Vereine wie den MSV Duisburg, glücklich für Vereine wie Jena. Wie man es dreht und wendet, es gibt keine Lösung, mit der alle zufrieden sind. Was es aber geben sollte, wäre so etwas wie Verstand in den Führungsriegen der Verbände. An erster Stelle sollte die Gesundheit stehen. Fußball ist weder systemrelevant noch irgendwie anders wichtig und sollte erst mal ganz hinten anstehen, so hart das auch als Fan zu sagen ist.

Auch was von seiten der DFL gefordert wurde, dass alle drei Tage die komplette Mannschaft inklusive Betreuerteam eines jeden Vereines getestet werden sollen um noch irgendwie spielen zu können, entbehrt jeglichem gesunden Menschenverstand. Sollte es diese Kapazitäten geben mehrere Ligen alle drei Tage zu testen, so wären diese Kapazitäten besser aufgehoben bei medizinischem Personal oder anderen Berufsgruppen, die in der aktuellen Situation wichtiger sind als Profifußballer. Und das sind ziemlich viele!

Zu viele Eventualitäten

Die gesamte Planung die Saison zu Ende zu spielen basiert ohnehin auf der irrigen Annahme, dass alles glatt laufen wird und sich kein Fußballer oder Teammittglied infiziert. Aber dies ist ein Trugschluss und funktioniert so nicht. Was ist, wenn eine Infektion zu spät erkannt wird und sich ein Team komplett ansteckt? Auch dann kann die Saison nicht regulär zu Ende gespielt werden. Was ist, wenn die Infektionsketten nicht mehr nachvollziehbar werden? Sollen sämtliche Angestellten und Fußballer über Wochen hermetisch abgeriegelt werden und in einer Art coronafreien Parallelwelt leben, während andere Menschen, Vereine und Betriebe wirklich um ihre Existenz kämpfen? Das wäre unfair gegenüber vielen Menschen in der Bevölkerung. Das wäre unfair gegen viele kleine und mittelständische Betriebe. Und vor allem sendet eine Fortführung der Saison ein fatales Signal an die Bevölkerung: Nämlich dass das Ganze gar nicht so dramatisch und schlimm sei, wenn schon so etwas mehr oder weniger unwichtiges wie Fußball einfach fortgeführt werden kann, als sei nichts.

Es wird Zeit, dass der DFB sich nicht mehr hinter den Behörden versteckt, sondern dass er klare Kante zeigt und zeigt, dass er verstanden hat worum es geht. Nämlich nicht darum, dass die Liga auf Teufel komm raus zu Ende gespielt werden muss, sondern dass es in erster Linie um die Gesundheit der gesamten Bevölkerung geht. Wenn sich alles in einem Lockdown befindet um dem Virus Herr zu werden, darf der Fußball keine Sonderrolle erhalten, wenn der Kampf gegen Covid-19 glaubhaft bleiben soll.

2 Antworten

  1. Karl Heisterkamp sagt:

    Guten Tag,
    habe heute Vormittag Ihren Kommentar spontan mit 5 Sternen bewertet! Nach einiger Überlegung bin ich der Meinung, dass die Inhalte bedeutend mehr Lesern und besonders Verantwortlichen zur Kenntnis kommen sollten. In Verbindung mit Veränderungen im künftigen Sponsoring habe ich Ideen, die ich gern mit Ihnen besprechen würde.
    Freue mich auf Ihre Antwort!
    Herzlicher Gruß
    Karl Heisterkamp

  2. Jens sagt:

    Hallo,
    Vielen Dank für das Lob. Gerne können wir über Ihre Ideen sprechen und erörtern. Sie können mir gerne eine E-Mail schreiben unter jens@nullsechs.de oder wir können das Gespräch sonst auch gerne hier in den Kommentaren weiterführen.

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